Good bye Deutschland!

Ich lebe in Lima nun schon ein Jahr, wir wohnen in einem schicken Hochhaus im Finanzdistrikt San Isidro, direkt neben dem eher bekannten Stadtteil Miraflores. Oben auf dem Dach gibt es einen kleinen Pool und eine schöne Dachterasse von der aus man das Meer sehen kann – wir wohnen zwar nicht direkt an der Waterkant aber sehen können wir den blauen Wasserstreifen trotzdem ganz gut.

Mein Lebensgefährte ist Peruaner und hatte in Deutschland immer kläglich die Heimat vermisst (Peruaner sind sehr heimat- und familienverbunden) und so entstand nach und nach die Idee auszuwandern, denn ich bin mit meiner Arbeit über das Internet ohnehin vollkommen unabhängig von dem Ort an dem ich lebe – ein Umstand von unschätzbaren Wert! Mit einer Vorbereitungszeit von einem Jahr haben wir unsere Zäune in Deutschland dann komplett abgebrochen und sind mit unserer da noch 5 jährigen Tochter nach Lima ausgewandert.

Ich muss dazu sagen, dass ich vorher schon 4 mal für 1-2 Monate in Perú war und ungefähr wusste was mich erwartet, trotzdem aber war es aufregend und spannend für mich – wir hatten noch keine Wohnung und keinen Kindergartenplatz, ich konnte kaum spanisch und wir konnten außer zwei Koffern für jeden und meinem heissgeliebten i-mac nichts mitnehmen.

Es ist schon erstaunlich auf was man im Grunde alles gut verzichten kann…

Wir haben erst bei seiner Familie gewohnt uns dann recht schnell ein Apartment gemietet und uns nach europäischen Standard dort eingerichtet. Es gibt hier heisses Wasser (90% der peruanischen Haushalte haben nur kaltes Wasser) und ich habe eine annehmbare Internetverbindung.

Die meisten fragen mich nach den Lebenskosten hier – ok dann gebe ich mal eine kleine Aufstellung:
Monatliche Fixkosten:
Miete 2.000,- Soles
Telefon/Internet 400,- Soles
Strom 150,- Soles
Nebenkosten 200,- Soles
Garage 65,- Soles
Schulgeld (Humboldtschule) 1.280,- Soles
Schulbus 300,- Soles
Haushaltshilfe 600,- soles
Gesamt sind das 4.995,- Soles, also ungefähr 1250,- €.

Für Einkaufen gebe ich im Schnitt ca. 50,- Soles am Tag aus, also 2800,- Soles – 750 €.
Essen gehen für uns drei kostet um die 100,- Soles (in etwas besseren Restaurants)

Also von 2000,- € können wir hier gut zu dritt als Familie leben, ohne auf unseren gewohnten Standard verzichten zu müssen und ich habe endlich eine Hilfe, die den Haushalt komplett für mich übernimmt, so dass ich mich auf meine Arbeit konzentrieren kann (jetzt hängt ja auch alles an mir finanziell).
Ein peruanischer Arbeitnehmer verdient monatlich im Schnitt 1.200,- Soles, also 300,- € nur zum Vergleich.

Sicherlich könnte man auch sehr viel weniger Miete bezahlen, aber die günstigeren Stadtteile sind nicht sicher für meine Tochter und mich – hier in San Isidro und Miraflores habe ich kein Problem alleine raus zu gehen, hier wird alles bewacht. In San Martin de Porres wo mein Mann eigentlich herkommt und wo wir zu Anfang gewohnt haben durfte ich nie ohne Begleitung von mindestens zwei Leuten das Haus verlassen, was sehr nervig war.
Für mich selbst macht im Prinzip es keinen allzu grossen Unterschied ob ich nun in Peru bin oder in Deutschland. Ich bin Workaholic und sitze mindestens 8, meistens eher 14 Stunden am Tag am Rechner und selbst so kann ich kaum all das bewältigen, was ich mir vornehme…

Über skype habe ich eine deutsche Telefonnummer über die mich alle aus Deutschland zum normalen Festnetz Tarif anrufen können, über GMX eine deutsche Faxnummer. Wenn ich Briefe oder Faxe in Deutschland verschicken muss (z.B. ans Finanzamt oder Rechnungen an Kunden) dann nutze ich den sehr guten Service von simple-fax.de, die konvertieren pdfs zu faxen oder drucken Sie auf Wunsch aus und versenden sie als Brief. Wer braucht da noch das virtuelle Büro? Die Post aus Deutschland für mich wandert zu meiner Schwester, die mir die wichtigen Sachen einscannt und per Email schickt.

Über das Internet arbeite ich mit Programmierern in USA, Canada und Pakistan zusammen, ich baue gerade einige Projekte auf spanisch auf und habe dafür Texter hier in Lima. Nebenher habe ich diesen kleinen Blog hier aufgesetzt, als meine persönliche Wissenssammelstelle und eine Schnittstelle zum fernen Deutschland, daher ist es auch mein erstes (eigenes) Projekt in deutscher Sprache. Dieser Blog dient mir vor allem auch dazu die Besonderheiten des deutschen Webmarketings zu analysieren.

In den letzten Jahren habe ich mich vom reinen Designen weg entwickelt und betreue meine Kunden (meist aus USA) im Bereich Planung, Konzeption, Umsetzung und Vermarktung.

Ich habe so unendlich viele Ideen und kann nicht immer alles umsetzen, ich möchte so vieles tun und doch hält mich die Kundenarbeit meist davon ab.

Meine Pläne in Perú? Die sind ganz, ganz klassich: Im Sommer, Ende Dezember werden wir heiraten und unser Haus diekt am Meer in Punta Negra ist bereits in Planung! Davon abgesehen will ich diesen Blog hier so weit wie möglich pushen und regelmässig updaten. Eine eigene Membership-Seite (auf englisch allerdings) ist schon in der Mache.
In Lima werde ich im nächsten Jahr eine Agentur aufbauen und die günstigen Personalkosten ganz unverschämt ausnutzenb (ein Texter kostet hier 1.000,- Soles, ein guter Programmierer 2.000,- Soles) bis dahin muss aber mein spanisch noch besser werden…

Nun wer mal nach Lima kommt, der sollte mir doch bitte schreiben, vielleicht trifft man sich ja?

Divena.

10 Antworten
  1. Ronny Roger
    Ronny Roger says:

    Respekt. Das ist so toll. Vor allem, weil es funktioniert.

    Auswandern ist och bei uns regelmäßig Thema, einmal auf die andere Seite der Weltkugel, also weniger Südamerika, aber dazu – es wird wohl noch das ein und andere Jahr bis dahin vergehen.

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  2. Morten Smalby@Kroatien blogger
    Morten Smalby@Kroatien blogger says:

    Ich bin selber seit 16 Jahre Auswanderer, zu erst in Deutschland (bin gebürtiger Däne), seit 2004 wohne ich in Kroatien, wo ich viele verschiedene Sachen machen unter anderem immer mehr über das Internet wie Du.

    Ich bin sehr überrascht über die Lebensunterhalt kosten was ihr benötigen im Peru, ist mehr als wir benötigen hier in Kroatien für in 4 Personen Familie.

    Sind die Arbeitnehmer zuverlässig, oder eher typisch südländischer Mentalität?

    Gruß aus Kroatien
    .-= Morten Smalby@Kroatien blogger´s last blog ..Biševo Island | Blue cave on Island Bisevo =-.

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Zu den Lebenshaltungskosten muss ich dazu sagen, dass wir in einem der teuersten Stadteile Limas wohnen und unsere Lebenskosten etwa 10 – 20 mal höher sind als die der „normalen“ Peruaner. Aber als Ausländer kann man hier leider kaum in einem der billigeren Stadtteile wohnen ohne behelligt zu werden, besonders dann wenn man so wie ich blond und hellhäutig ist… Unser Lebensstandard steht dem deutschen Lebensstandard in nichts zurück und gegenüber Deutschland ist es hier trotzdem noch erheblich günstiger… Ich weiss nicht wie es in Kroatien ist, aber ich denke die allgemeine Sicherheit ist dort besser als hier, so dass man auch überall leben kann und nicht nur in den teuersten Gegenden. Die Arbeitnehmer sind eher unzuverlässig, wenige sind wirklich spezialisiert und mit Arbeitsorganisation, Pünktlichkeit und dergleichen ist es nicht so weit her. Peru ist reich an Ressourcen, aber die Politik und die Menatalität der Leute bringen das Land nicht wirklich voran. Es fehlt der wille wirklich etwas zu erreichen und zu verändern, die meisten sind damit beschäftigt sich mit einfachsten Arbeiten am Leben zu erhalten…

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  3. Morten Smalby@Kroatien Blogger
    Morten Smalby@Kroatien Blogger says:

    Ok das erklärt natürlich warum deine kosten so hoch sind! Hier ist eigentlich über all sehr sicher von daher kann man als Ausländer über all wohnen, natürlich zahlt man für Wohnung etc ein Ausländer Zuschlag, aber wenn man länger hier gewohnt haben bekommt man Wohnung zum Normal preis.

    In besuch auf Arbeitnehmer und Politik, kommt mir deine Beschreibung sehr bekannt vor, ist genaue so wie hier, ich habe zum Beispiel festgestellt das etwa jeder 10 Mitarbeiter zuverlässig und arbeitswillig ist, von daher macht man lieber was wo man nicht zu viele angestellte benötigt.

    Gruß, Morten

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  4. Dirk
    Dirk says:

    Habe selbst von 1995 bis 2001 in Lima (San Borja + San Isidro) gelebt und verbringe nach einer Unternehmensgruendung mit deutschen und spanischen Investoren in Lima wieder 2/3 meiner Zeit in Lima und 1/3 in Madrid. Aus diesem Grunde glaube ich mir erlauben zu koennen, auf einige Irrtuemer hinzuweisen. Einkaufen fuer S/. 50 am Tag macht bei 30 Tagen (soviel Tage hat im Schnitt auch ein Monat in Peru) = S/. 1.500 und nicht S/. 2.800
    Bzgl. des Schulgelds solltest Du dich mal erkundigen, ob Auslands-Bafoeg in Frage kommt.
    Hinsichtlich der Miete und der Kosten in San Isidro, San Borja und Surco (wo Dein Kind auch zur Schule geht), welches auch sichere Stadtteile sind, bekommst Du fuer das gleiche Geld auch ein kleines Haus gemietet. Habe im Mai z.B. 2 Quadras vom Parque Kennedy in Miraflores ein Haus fuer 650 USD Monatsmiete besichtigt, allerdings hat jemand andere den Zuschlag bekommen. Und San Isidro ist statistisch gesehen schon seit Ende der 90er Jahre nicht mehr der teuerste Stadtteil (mal von Bueroflaechen abgesehen), sondern Las Casuarinas (La Molina), wo schon vor 10 Jahren der qm nicht unter 3.000 USD zu bekommen war. Dort ist uebrigens auch die Residenz des deutschen Botschaft und etlicher anderer Diplomaten aus aller Welt.
    Und in San Martín de Porres nicht ohne Begleitung gehen zu duerfen/gehen zu koennen ist ja wohl der absolute Hammer. Kann ich hoechstens nachvollziehen, wenn es ungefaehr den Zeitraum von 21:00 Uhr bis 07:00 Uhr betrifft. Wegen des Hauses haette ich vielleicht eine interessante Alternative in Modular-Bauweise, bauen mit diesem System gerade in Lurin (suedlich von Lima) eine Fabrik mit Bueros fuer die Abfuellung von Fruchtsaeften und 2.000 Wohneinheiten auf Haiti fuer die Erdbebenopfer. Ist von besserer Qualitaet, erdbebensicherer und schneller erstellt als nach herkoemmlicher Bauweise und kostet ausserdem 20-30% weniger. Nungut, bin von Ende September 2010 bis voraussichtlich Januar 2011 wieder in Lima und vielleicht kann man sich mal kurzschliessen.

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      @Dirk: Danke für die vielen Hinweise, wie gesagt erhebe ich nicht den Anspruch auf absolute Korrektheit, was ich hier schildern kann sind nur meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke, vielleicht ein bisschen oberflächlich, denn mein Castellano ist leider nicht so flüssig und da kann ich kaum was nachfragen.
      Sicher bekommt man, wenn man Glück hat, auch was besseres für die Miete – aber das auch zu kriegen schätze ich als recht schwierig ein, da wir damals sehr viel besichtigt haben und in fast allen Fällen keine Zusage bekommen haben weil irgendwer anders schneller war, jemanden aus der Familie kannte, hübscher war oder warum auch immer. Die Mieten sind auch inzwischen ein ganzes Stück gefallen und wir werden uns sicher bald auf die Suche nach was Neuem machen – wenn Du vielleicht einen Tipp für mich hast?
      Auslands-Bafög bekommt man wahrscheinlich nur unterhalb einer gewissen Einkommensgrenze, aber ich kann mich ja mal schlau machen.
      2.800 Soles geben wir insgesamt ungefähr aus dazu zählt ja auch Kleidung, Benzin etc. – meist ist es auch wesentlich mehr was wir so ausgeben zum Leben, sparen war noch nie meine Stärke.
      Mit teuerster Stadtteil dachte ich eher an die Geschäfte, typisch Frau halt…
      Momentan sind wir gerade in Deutschland auf Urlaub, kommen aber am 15. September wieder, wenn Du in Lima bist dann schreib mir doch mal, würde mich sehr freuen.

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