Lima, Blick über die Stadt

Auswandern nach Peru – eine Übersicht

Sie möchten nach Peru auswandern und sich eine dauerhafte Existenz hier aufbauen? Aufgrund der vielen Anfragen, die ich zu diesem Thema erhalten habe, will ich hier die gängigen Fragen rund um das Thema Auswandern nach Peru gern beantworten – so weit ich kann, detaillierte Infos gibt es für jeden individuell unterschiedlich beim Amt.

Touristenvisum

Zunächst kann man sich am Flughafen direkt ein 180 – Tage Visum geben lassen, Vorassetzung hierfür ist ein entsprechend spätes Rückflugticket – das verschafft einem die Zeit, die man für den behördlichen Kram braucht und ist auch gut um erstmal zu schauen, ob man überhaupt 6 Monate in Peru über die Runden kommt. Achtung: Jeder Tag Überziehung des Visums kostet einen Dollar Strafe.

Dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Peru

Es gibt drei Wege zum dauerhaften Aufenthaltsrecht in Peru, so wie in den meisten Ländern der Welt auch – entweder man heiratet einen Peruaner oder eine Peruanerin, man wird von einer Firma angestellt oder kommt als Investor hierher.

Heiraten

Zu heiraten ist sicherlich der einfachste Weg – der Papierkram ist zwar auch hier immens, aber man bekommt auf jeden Fall sicher sein Aufenthaltsrecht – das carné de extranjería. Berichten zufolge dauert dies zwischen 6 Monaten und einem Jahr, man sollte also so schnell wie möglich mit diesem Prozess beginnen. Anmerken sollte ich dazu noch, dass die zuständigen Behörden alle in Lima sind, man muss also erstmal in Lima bleiben oder in der Nähe.

Angestellt werden

Wenn Sie als Spezialist bei einer Firma hier in Peru angestellt werden, dann wird die Firma (wenn sie Glück haben) Ihnen bei der Beschaffung der carné de extranjería helfen. Da dieser Prozess aber sehr kompliziert ist haben die meisten Firmen so gar keine Lust darauf einen Ausländer einzustellen… Die wenigen, die auf diesem Wege hierher kommen arbeiten meistens für internationale Konzerne und haben ein sicheres Auskommen. Generell gibt es aber nur sehr wenige grosse internationale Firmen, die hier in Peru vertreten sind, die meisten sitzen in Brasilien.

Als Investor

Wenn Sie ein bisschen Kapital haben (mindestens 10.000 $), dann können Sie als Investor hier tätig werden, eine Firma anmelden und Ihre Geschäfte hier aufnehmen. Diesen Prozess würde ich allerdings nicht ohne einen Rechtsanwalt und die Hilfe durch befreundete peruanische Geschäftsleute durchziehen, zu gross ist die Gefahr, dass man an allen Ecken und Enden ausgenommen wird…

Alles in allem ist es nicht so einfach an das carné de extranjería zu kommen, viele verzweifeln fast daran, die Behörden in Peru sind noch fünfmal katastrophaler als die deutschen Behörden und die deutsche Botschaft stellt keine Hilfe dar, geben aber pauschale Auskünfte zu dem Thema.

Der Lebensunterhalt

Abgesehen von den Genehmigungen und dem Aufenthaltsrecht sollte man sich bevor man hierher auswandert eingehend Gedanken zum Lebensunterhalt machen, d.h. ohne einen Cent in der Tasche sollte man auf jeden Fall nicht hierher kommen, den besser bezahlte Arbeit zu finden ist hier sehr schwer – die durchschnittlichen Löhne liegen bei 600 – 1000 Soles. Es macht Sinn, wenn man ein Geschäft aufziehen will und konkrete Pläne dazu hat, so etwas wie Import/Export vielleicht, z.B. hier etwas produzieren und nach Europa exportieren. Aber ohne sehr gute Kontakte würde ich das nicht wagen, privat sind die Peruaner sehr nett – aber im Geschäftlichen geht es dagegen ziemlich hart zu. Hier wird einem nichts geschenkt, jeder ist extremst auf sein Vorteil bedacht und Mitleid oder selbstloses Helfen ist vollkommen unbekannt. Gerade Extranjeros werden als Geldquelle angesehen und als total naiv eingestuft und zu gut deutsch gern mal verarscht – oft auf ziemlich blöde Weise und für nur ein paar mickrige Soles Vorteil. Viele menschliche Enttäuschungen sind hier sicherlich vorprogrammiert.
Besser man ist vollkommen unabhängig von der hiesigen Wirtschaft, so wie ich – ich verdiene über das Internet und könnte überall leben wo es einen Internetanschluss gibt. Sonst könnte ich hier sicher nicht leben, jedenfalls nicht auf deutschem Niveau.

Ist Auswandern wirklich empfehlenswert?

Auswandern ist generell nicht so einfach und toll wie es sich viele vorstellen, man wird mit Problemen konfrontriert, die man sich vorher kaum vorstellen kann, man muss erhebliche Abstriche vom bisher gewohnten Lebensstandart machen und mit einer vollkommen andersartigen Kultur zurecht kommen, die für Europäer auch sehr viele Missverständnisse und Enttäuschungen birgen kann.

Es ist etwas ganz anderes hier für ein paar Wochen herzukommen, einen schönen Urlaub zu verbringen und von allen hofiert zu werden als hier tatsächlich zu leben und auf sich gestellt die eine oder andere Krise zu überwinden und vielleicht auch mal auf die Hilfe der anderen angewiesen zu sein – da erkennt man dann aber ganz schnell die Wahrheit hinter dem ganzen Gerede und den leeren Versprechungen.

Die Deutschen und die Peruanos

Peruanos reden gern nett daher und versprechen viel, aber wenn man nicht zum engsten Familienkreis gehört braucht man auf ihre Hilfe nicht wirklich zählen. Dahinter steckt keine Boshaftigkeit – nur wenn man diese Eigenart nicht kennt, dann kann es schon mal zu Missverständnissen kommen… Aus diesem Grund ist es schon ganz gut auch ein bisschen Freundschaft mit den Deutschen, die hier leben aufzubauen, nicht dass diese irgendwie besser seien – sondern einfach um noch andere Anlaufspunkte zu haben, wenn man Schwierigkeiten haben sollte. Über die Humboldt-Schule meiner Tochter habe ich Kontakt zu anderen Deutschen und es tut gut sich mal untereinander zu treffen und Erfahrungen auszutauschen, die meisten leben allerdings schon in der zweiten oder dritten Generation hier.
Ich habe mich mit einer sehr netten Dame von der deutschen Botschaft unterhalten und die meinte, dass immer weniger Deutsche nach Peru auswandern und sehr viele nach Deutschland zurückgekehrt sind, die hier lange gelebt haben, allerdings wusste sie auch nicht die konkreten Gründe weßhalb.
Ich selbst bin ein vollkommen akzeptiertes Mitglied der Familie meines Mannes und unterstütze alle wo ich nur kann, ich werde oft wie eine Prinzessin behandelt – aber wird dies auch so sein, wenn ich kein Geld mehr habe? Ganz ehrlich bezweifle ich das.
Auf jeden Fall kann ich nur jedem nahe legen sehr eingehend seine Kontakte zu prüfen, sich möglichst auf niemanden zu verlassen und ganz behutsam vorzugehen.

Lieber kein Geld verleihen
Es gibt praktisch niemanden in der Familie und von den peruanischen Freunden, der mich nicht schon um mittlere oder höhere Geldsummen angebettelt hätte und die Male die ich nachgegeben habe habe ich mein Geld leider nie wieder gesehen (und die betreffende Person dann meistens auch nicht). Wie heisst es so schön „leihe keinem Freund etwas, sonst wirst Du ihn verlieren“ oder so ähnlich? Nun das kann man hier wohl wörtlich nehmen! Mitleid ist hier auf jeden Fall eine kostspielige Angelegenheit und mittlerweile reagiere ich auf mitleiderheischendes Gejammer allergisch. Ich finde es auch unfähr, wie empört die Leute reagieren und so tun als ob ich der schlechteste Mensch von der Welt bin, wenn ich nicht gleich meine (mühsam erarbeiteten) Kröten springen lasse. Nun mir wird auch nichts geschenkt und schon gar nicht bin ich eine wandelnde Bank, ich habe Mann und Kind zu ernähren und die vielen Kosten allein zu tragen. Wenn ich sehe jemand muss hungern, dann kaufe ich gern ein und schenke ausreichend Fressalien, zu mehr bin ich nicht mehr bereit. Die meisten die ich kenne halten es genauso und ich kann ein solches Vorgehen nur empfehlen.

Es gab hier auch mal eine landesweite, gross angelegte Kampagne, die besagt „sei gut zum Touristen, dann bist du auch gut zu Peru“ – das sagt doch schon alles, nicht wahr?

Wer mit dem Gedanken spielt hierher zu kommen, kann mir natürlich gern schreiben, denn helfen tue ich immer gern und das sogar für gratis… 😉

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