Tanja Preuße

Interview-Reihe | Bedeutende deutsche Blogger | Teil 1: Tanja von crazytoast.de

Ich starte hier die wöchentliche Interview-Reihe „Bedeutende deutsche Blogger“ mit interessanten Bloggern, deren Blogs wirklich lesenswert sind, die deutsche Bloggosphäre bedeutend prägen und in keinem RSS-Reader fehlen sollten.

Teil 1: Tanja von crazytoast.de

Tanja

Tanja

Ich beginne hier mit Tanja, von crazytoast.de, einem Mischblog der mit interessanten Beiträgen von SEO-Tipps über Selbstständigkeit und Bloggen bis hin zur bewussten Ernährung viele Stammleser und Fans hat.

1. Wie bist Du überhaupt zum bloggen gekommen – was war für Dich der Anlass
crazytoast zu starten?

Ich war schon länger im Netz unterwegs und die Blogosphäre erschien mir irgendwie
interessant, so dass ich es einfach mal ausprobieren wollte, wie es ist so richtig zu
bloggen und dabei zu sein. Was das bedeutet und was es für mich für Potenziale und
Möglichkeiten bietet… Ich kannte das Netz vorher nur mehr oder weniger mit statisch
programmierten HTML Seiten oder Shops. Alles in allem eine ganz andere Welt.
Ich hatte vorher schon für ein paar Kunden WordPress Themes programmiert und so
erstellte ich mir einfach ein eigenes Theme und startete meinen Blog am 21.12.2008. Die
ersten Artikel wurden geschrieben und ich surfte durch die Blogosphäre und hinterließ
dort ein paar Kommentare und wartete ab was passiert. Gerechnet hatte ich mit ziemlich
wenig doch ich wurde positiv überrascht. Am 26.12.2008 gab es bereits den ersten
Kommentar auf meinem Blog, die ersten Leute fanden sich ein, kamen wieder und von da
an ging es langsam aber sicher aufwärts. Rückblickend kann ich diesbezüglich einfach nur
sagen: Ich war wahrscheinlich zur für mich richtigen Zeit mit den richtigen Themen am
richtigen Ort, denn es „fluppte“ von Anfang an.

2. Wie lange befasst Du Dich schon mit dem Web, bzw. welches technische Know-How
hast du Dir hierfür angeeignet?

Ich startete Anfang 2004 in die Selbständigkeit und dazu gehörte dann natürlich auch
eine eigene Homepage. Von allem so gar keine Ahnung und vor allem auch kein Geld um
solche Sachen beauftragen zu können, war dann meine Devise: do it yourself, learning by
doing. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, in der ich am liebsten meine Homepage mit
PowerPoint erstellt und hochgeladen hätte *lacht*.
Ich wühlte mich dann aber doch mit Frontpage durch die Erstellung meiner Homepages
und lernte so langsam aber sicher auch ein paar Brocken HTML. Mit dem Start meines
Shops wurde ich dann vor ganz andere Herausforderungen gestellt. HTML, ein bisschen
CSS und dann war da auch noch dieses komische PHP und MySQL… 😉 Learning by
doing und ganz langsam Schritt für Schritt voranarbeiten. Es gibt ja genug Anleitungen im
Netz und mit der Zeit wird Frau auch etwas mutiger und lernt vor allem auch immer dazu.
Tja, und dann kam irgendwann WordPress. Hierzu brauchte es vor allem CSS fürs
Theme Design und natürlich auch etwas HTML und wieder dieses schreckliche PHP
und MySQL… Mittlerweile finde ich gar nichts mehr schrecklich daran. Ich bin zwar
weit davon entfernt ein guter Programmierer zu sein (wir wollen ja die Kirche beim Dorf
lassen), aber das meiste was ich will, schaffe ich auch. Ich brauche schon sehr lange keine
WYSIWYG-Editoren mehr um etwas zu programmieren, sondern bediene mich schlicht
und ergreifend nur noch des Notepads und liebe es am Life-System rumzupfriemeln.

3. Crazytoast erzielt mehr als 1000 Besucher am Tag – wie hast Du diese stattliche Zahl erreicht? Nur dadurch, dass Du fast täglich bloggst oder gibt es noch andere Geheimnisse, die Du vielleicht mit uns teilen magst?
Nicht ganz, aber fast sind das meine Besucherzahlen. Das tägliche bloggen ist nicht
unbedingt dafür verantwortlich, aber doch gehört da eine gewisse Regelmäßigkeit dazu.
Im ersten Jahr habe ich täglich gebloggt, im zweiten Jahr wesentlich weniger und nun
im dritten Jahr bin ich gerade wieder täglich dabei. Content ist einfach King und nur wer
auch viel Gutes schreibt, hat auch wesentlich mehr Chancen auf gute Besucherzahlen.
Und ganz ehrlich gehöre ich mit meinen mittlerweile knapp über 600 Artikeln eher noch
zu den Kleinen. Ich denke mal ab 1000 Artikel wird’s erst langsam interessant. Mal sehen
wie lange ich dazu brauche.
Die Artikel stehen auf der einen Seite und sind in meinen Augen auch der wichtigste

Faktor. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Kommentieren. Und dabei meine ich nicht
das auf dem eigenen Blog, sondern bei den Blogger Kollegen. Kommentieren ist, wie
vieles andere in der Blogosphäre auch, ein Geben und Nehmen. Wenn ich bei anderen
Bloggern kommentiere, dann kommen die früher oder später (hängt auch von der Größe
des jeweiligen Blogs ab) auch zu mir.
Ähnlich verhält es sich auch mit den Verlinkungen (Pingbacks/Trackbacks). Wenn ich die
Artikel anderer Blogs in meinen Artikeln verlinke, dann verlinken die auch irgendwann
mal meine Artikel. Das hängt aber auch von der Qualität meiner Artikel ab, denn Quatsch
verlinkt keiner 😉

4. Wenn Du ein neues Webprojekt startest – welche Marketing-Massnahmen machst Du zuerst? Was kannst Du neuen Bloggern empfehlen um die Besucherzahlen zu Anfang zu steigern und regelmässige Leser zu gewinnen?
Das kommt immer darauf an, was für ein Projekt das ist, denn ein Patentrezept, das für
alle Webprojekte gleich ist, gibt es in meinen Augen nicht. Halt doch, eines: Content.
Ohne eigenen Content geht gar nichts 😉
Bloggern kann ich den Rat geben, hochwertige Artikel zu schreiben und vor allem nicht
irgendwelchen Mist online zu stellen oder gar automatisiert Content generieren zu lassen.
Das Geld liegt auch im Internet schon lange nicht mehr einfach so auf der Straße (einfach
hingehen und aufheben), sondern Geld verdienen, und darum wird es den meisten ja
gehen, bedeutet vor allem auch Arbeit. Und das nicht gerade wenig.
Aber selbst wer mit seinem Blog keine Monetarisierungsabsichten hegt, und vielleicht nur
auf Besucherzahlen Wert legt, wird um ordentliche Artikel nicht herum kommen. Content
ist und bleibt einfach King. Tja und dann im Prinzip das was ich schon in den anderen
Fragen geschrieben habe: kommentieren und in den eigenen Artikeln passend die Artikel
anderer Blogs verlinken. Vor allem auch die Inspirationsquellen für die eigenen Artikel
nennen, denn die meisten Blogger ärgern sich über Linkgeiz, wenn die eigenen Ideen in
Artikeln anderer Blogs zu finden und nicht mal eine Erwähnung wert sind. Und Finger
weg von automatisierten Lösungen und Plugins dafür, denn das ist Spam!

5. Wie hat Deine Arbeit Dein Leben verändert? Hast Du durch Deinen Blog Kontakt zu interessanten Menschen gewonnen und neue Geschäftskontakte aufgebaut oder siehst Du Dich mehr als Einzelkämpferin ohne grossen Bezug zu anderen?
Durch meinen Blog habe ich im Laufe der Zeit viele interessante und auch wertvolle
Kontakte zu anderen Bloggern gewonnen. Mit der Zeit kristallisieren sich auch
Freundschaften heraus und grundsätzlich ist es auch so, dass die Blogosphäre
untereinander sehr hilfsbereit ist.
Geschäftskontakte würde ich aber eher weniger sagen. Zum einen ist mit der Blogosphäre
selbst kaum bis wenig Geld zu verdienen und zum anderen suchen die meisten seriösen
Unternehmer nicht in der Blogosphäre nach Geschäftskontakten. Dafür läuft das Ganze
wahrscheinlich doch eine Spur zu privat und persönlich. Es gibt zwar viele Anfragen, die
sich vor allem um Links und Artikel drehen, aber der Wille nach anständiger Bezahlung
liegt dabei meist so niedrig, dass dies kaum der Rede wert ist. Unterm Strich zu 90%
Verarschung. Sorry, wenn ich mich hier so direkt ausdrücke, aber wer denkt ich blogge
und verlinke kommerzielle Seiten für einen Brillenputztuch oder eine Tafel Schokolade,
der hat sich gänzlich geschnitten. Werbung kostet Geld und warum sollte das in der

Blogosphäre anders sein? Schon aus Prinzip nicht!
Das heißt jetzt nicht, dass Geschäftskontakte nicht möglich sind mit einem Blog. Sicher
sind sie das, aber in meinen Augen muss, wer Geschäftskontakte knüpfen möchte (z.B.
zur ordentlichen Vermarktung von Werbeplätzen) schon selbst in die pushen kommen
und selbst verkäuferisch aktiv werden. Von alleine kommt da nur wenig bis gar nichts.
Und ich persönlich muss ehrlich zugeben, dass ich in diesen Bereichen leider so gar keine
Stärken besitze.
Weiter denke ich, dass ein Schwachpunkt der Blogosphäre in diesem Monetarisierungs-
Blickwinkel ist, dass die meisten Blogger entweder Privat oder Nebenverdiener sind. Wer
das Gehalt seines Arbeitgebers im Nacken hat, sieht vieles mit anderen Augen. Da ist oft
auch der 10er nebenbei gern sehen, obwohl das Ganze realistisch und wirtschaftlich in so
gar keinem Verhältnis steht. Unterm Strich brauchen wir uns also auch gar nicht wundern,
dass die Blogosphäre von der freien Wirtschaft belächelt, ausgenutzt und verarscht wird,
es ist praktisch ein „hausgemachtes“ Problem.

6. Wie schätzt Du die deutsche Bloggerszene im Vergleich zur englischsprachigen ein – was sind für Dich die Vor- und Nachteile auf deutsch zu bloggen?
Ich muss hier leider passen, denn ehrlich gesagt habe ich mich mit der englischprachigen
Szene bis dato so gar nicht auseinandergesetzt. Ich lese zwar immer wieder mal den einen
oder anderen „Fetzen“ darüber in anderen Blogs, doch kann ich deren Wahrheitsgehalt
mangels Sachkenntnis nicht prüfen.
Deutsch ist meine Muttersprache und ich bin zwar auch des Englischen mächtig, sowie
auch teilweisen des Italienischen, dennoch würde ich ausschließlich nur in meiner
Muttersprache bloggen, denn nur so kann ich auch ordentliche, inhaltlich ansprechende
und aussagekräftige Artikel „produzieren“. Ich habe in der Vergangenheit auch immer
mal wieder etwas als Übersetzerin gearbeitet (habe auch 1 Jahr in Italien gelebt und
gearbeitet) und diese Sachkenntnis und Erfahrung hat mich gelehrt immer nur von der
Fremdsprache in die Muttersprache zu übersetzen, nie andersherum. In der Fremdsprache
werden wir uns in der Regel (außer wir leben bereits Jahre im entsprechenden Land und
sind der Sprache wirklich mächtig) nie so ausdrücken können wie ein Muttersprachler und
damit auch nie wirklich seriöse Ergebnisse produzieren können.

7. Wärest Du grundsätzlich offen dafür mit anderen Bloggern zu kooperieren und
gemeinsame Projekte zu starten – wenn ja mit wem und zu welchen Themen/Produkten?

Das kommt wirklich darauf an, so dass ich hier weder pauschal „ja“ oder „nein“ sagen
kann. Ich würde das sicherlich nicht aus „Spaß an der Freude“ machen, denn meine Zeit
will auch sinnvoll und gewinnbringend eingesetzt werden. Als Selbständige liegt mein
Blickwinkel vor allem auf „was bringt mir das wann“, denn „viel Zeit für wenig Geld“
Projekte gibt es viel zu viele, um daran finanziell und existenziell verhungern zu können.
Und meine doch geringe Freizeit verbringe ich lieber fernab vom Computer mit der
Familie.

8. Wie sehen Deine Zukunftspläne aus – was hast Du Dir für 2011 vorgenommen?
Ich bin keine große Planerin, sondern nehme das Leben so wie es kommt und versuche
das Beste draus zu machen. In diesem Sinne kann ich hier nur meine Wünsche nennen:
Gesundheit, Glück und Erfolg.

9. Wie schätzt Du meinen Blog ein (konstruktive Kritik absolut erwünscht) und welchen Rat könntest Du mir geben um meinen Blog weiter nach vorne zu bringen?
Es kommt auch immer ganz darauf an, was Du für Ziele verfolgst.
Wenn ich mir Deine Artikelanzahl (stimmt die mit den Zahlen hinter den Kategorien
überein?) und die Frequenz so ansehe, dann wäre hier ein guter Punkt anzusetzen. Content
is King. Ansonsten dürftest Du vielleicht einige Anregungen in meinen Antworten dieses
Interviews finden.
Weiter ist mir aufgefallen, dass Du in Deinen Artikeln die Anredeform „Sie“ verwendest.
Für einen Blogger ziemlich auffällig anders, denn wir nutzen eigentlich fast alle
das „Du“. Aber auch hier kommt es wieder auf Deine Ziele drauf an. Wenn Du rein nur
monetarisieren willst, also ein rein kommerzielles Projekt am Start haben willst, dann
ist „Sie“ sicherlich die bessere Wahl, willst Du richtig bloggen, dann fährst Du mit „Du“
wahrscheinlich besser.
Wenn Du Wert auf Kommentare legst, dann wäre es eine interessante Idee, Deinen
Blog „nofollow free“ zu gestalten. Damit kommt zwar auch wesentlich mehr Spam und
Du hast bei der Moderation mehr Arbeit, aber für Kommentatoren ist das immer auch ein
Zugpferd.

Vielen Dank für Deine Ratschläge in der letzten Frage, ich selbst halte allerdings nicht so viel davon meine Leser zu dutzen, denn ich kanne sie ja nicht persönlich und irgendwie erscheint mir das dann als etwas respektlos und ich finde auch dass das Dutzen einen Blog total unprofessionell und privat erscheinen lässt. Ich schreibe einem interessierten Fachpublikum – nicht irgendwelchen Dullies… Aber das liegt vielleicht auch mit an meinen Erfahrungen aus der Zeit als ich noch in Deutschland war und nebenher einen Laden hatte in dem ich hochwertige Kosmetik-Produkte und Möbel verkauft habe – und die Kunden, die mich gleich dutzten waren auch immer die ohne Geld oder den Willen welches auszugeben, die herum diskutiert haben wegen der Preise und am Ende meist doch nichts kauften… Daher wahrscheinlich meine Abneigung gegen vorschnelles Dutzen – also ich denke es ist ok auf einem persönlich-privaten Blog – aber bei technischen Know-How-Texten finde ich es irgendwie einfach fehl am Platz.

Das mit dem nofollow-free ist mein Fehler, denn das entsprechende Plugin, das ich eigens dafür installiert hatte funktioniert leider nicht… Ich werde mich sofort darum kümmern

Vielen Dank, liebe Tanja für das aufschlussreiche Interview. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog crazytoast.de, der wie schon erwähnt bestes RSS-Futter ist…!

4 Antworten
  1. Fabienne-valle
    Fabienne-valle says:

    Sehr interessantes Interview- ich persönlich finde das „DU“ auch angebrachter und natürlich „no follow free“ – das erhöht nunmal die Attraktivität. Moderationsaufwand sollte neben der Redaktionsarbeit zeitlich einkalkuliert , aber es dem/der Blogger(in) wert sein.

    Antworten
  2. Bernd@sprüche
    Bernd@sprüche says:

    Das „Du“ im Netz finde ich auch extrem wichtig. Aufgrund der Anonymität im Netz, schafft ein DU deutlich mehr Nähe und Vertrauen, als ein distanziertes SIE, wenn man einen Blog betreibt und seine User bzw. Leser erreichen will.

    PS: Schönes Interview. Ich lese sowas immer sehr gerne :-)

    Antworten
  3. rhustox
    rhustox says:

    Ich kenne Tanja (Das Crazy Girl) noch aus früheren Zeiten. Ihr Blog hat sich ja richtig gemausert. Bin nun durch Zufall auf dieses Interview hier gestoßen und mir kam das Bild oben doch irgendwie bekannt vor.
    Tanja hat mir mal freundlich ein paar Tips zum Urheberrecht gegeben bzw. aus Ihrem Erfahrungsschatz berichtet. Das hat mir damals sehr geholfen. Ein Bloggerin wie sie sein soll.

    Antworten

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