Üble Nachrede im Internet

Jedes soziale Netzwerk hat seine dunklen Seiten und gerade im weltweit grössten Netzwerk geht es nicht immer nett und freundlich zu. Fast jeder hat schon schlechte Erfahrungen mit übler Nachrede im Internet gemacht, sei diese rein privater Natur (der/die Exparter/in will sich durch öffentliches Zurschaustellen von Bildern oder Preisgabe intimer Details rächen) oder ganz professioneller Art, von schlechten Bewertungen bis hin zur kompletten Demontage der eigenen Person oder Firma in diversen Foren, Blogs oder sozialen Netzwerken wie Facebook, Hi5 etc.
Sehr schnell ist der gute Ruf ruiniert und die entsprechenden Einträge sind nur sehr schwer wieder zu eleminieren – geschweige denn aus den Köpfen derer zu löschen, die es schon gelesen haben und weitertragen.

Angesichts dessen, dass es inzwischen völlig normal ist den Namen von Personen zu googeln um auf diese Weise an detaillierte Informationen über die Person zu gelangen (Achtung wenn Sie auf Jobsuche sind wird Ihr zukünftiger Arbeitgeber sicherlich auch Ihren Namen googeln!) ist hier äußerste Vorsicht geboten. Viele geben viel zu viel von sich selbst preis, gerade soziale Netzwerke wie Facebook laden dazu ein alles über sich selbst öffentlich zu machen – vom Familienstand bis hin zu den Büchern und Filmen, die man favorisiert, Fotoalben mit allerlei (meist privaten) Fotos geben dem Suchenden ebenfalls schnellen Aufschluss über die eigene Person. Auch wenn Ihr Profil privat ist – wenn Sie eine Feundschaftsanfrage erhalten und die Person nicht kennen – fügen Sie diese Ihren Freunden zu oder nicht? Die meisten wollen niemanden abweisen und nehmen jede Freundschaftsanfrage gern an…
Dies ist alles nicht so tragisch solange Sie nirgens anecken und mit niemandem Probleme haben, bzw. nicht so erfolgreich sind, dass nicht Neider oder Konkurrenten auf Sie aufmerksam werden und versuchen wollen Ihnen zu schaden. Schlimm wird es vor allem dann, wenn diese Personen genau wissen wie sie Ihnen schaden können und wo die Grenzen des legalen liegen.

Auswirkungen der üblen Nachrede im Internet

Als Beispiel: Herr Z betreibt ein Service-Unternehmen wie z.B. Haus- und Fassadenreinigung. Nun kommt der diekte Konkurrent XY daher und schreibt ersteinmal in ein paar Foren, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigen oder regional orientiert sind, unter verschiedenen Decknamen ein paar negative Berichte in denen er auch konkret den Namen des Unternehmens oder des Unternehmers selbst angibt. Von schlechter Ausführung, nicht gehaltenen Terminen und sonstigen negativen Dingen ist da die Rede – ein Text, der jeden potentiellen Kunden total abschreckt. Unglücklicherweise ranken Foren in google besser als die meisten statischen Webseiten (gerade wenn deren Betreiber nicht so viel mit SEO am Hut hat), so dass diese Einträge über den der eigentlichen Webseite erscheinen und meist zuerst angeklickt werden. Bis Herr Z schließlich dahinter gekommen ist warum er plötzlich weniger Kunden über seine Webseite generiert und seine schon bestehende Kunden skeptischer reagieren und seltsame Fragen stellen, hat er wahrscheinlich schon einiges an Verlust dadurch gemacht und den ein oder anderen Stammkunden verloren. Noch schlimmer wirkt es sich bei Branchen aus, die sehr abhängig von ihrem guten Ruf sind (z.B. ein Ärzte & Therapeuten, Rechtsanwälte, Werbe-und Marketingleute etc.), wer hier einer massiven, üblen Nachrede im Internet (Rufmord!) ausgesetzt ist verliert häufig seine gesamte Lebensgrundlage und das binnen kürzester Zeit.

Rechtliche Einschätzung eines Fachanwalts zum Thema üble Nachrede im Internet

Eine Kundin von mir (deren Webseite ich aufgebaut habe und seither betreue) hatte grosse Probleme mit einem sehr negativen Bericht in einem Onlinemagazin in dem ihre Dienstleistung und Webangebot komplett verissen und mit allerlei negativen Unterstellungen und Spekulationen ausgeschmückt wurde.
Sie kontaktierte zu diesem Thema eine Fachanwältin, die dazu folgende Einschätzung gab:

„Sie haben grds. die Möglichkeit, sich gegen die Verbreitung von unwahren Tatsachenbehauptungen über Sie zu wehren. Tatsachen sind Vorgänge, die dem Beweise zugänglich sind.
Aufgrund der verfassungsmäßig verankerten Meinungsfreiheit (Artikel 5 Grundgesetz) können Sie sich allerdings grundsätzlich nicht gegen Meinungsäußerungen / Bewertungen wehren, auch wenn diese sehr kritisch und überzogen sind.
Meinungsäußerungen können grundsätzlich nur dann verboten werden, wenn es sich um eine so genannte Schmähkritik handelt, d.h. eine Kritik die losgelöst von jedem Sachbezug nur dazu dienen soll, den Betroffenen in seiner Ehre herabzusetzen.

Die von Ihnen unter (Name gelöscht) beanstandeten Äußerungen sind nach unserer rechtlichen Einschätzung und Erfahrung als Meinungsäußerungen einzuordnen und nicht als Tatsachenbehauptungen.
Daher sehen wir kaum Chancen, Ansprüche durchzusetzen. Da sich die Veröffentlichung mit Ihrer Webseite und Ihrem Angebot befasst, liegt nach der Definition auch keine Schmähkritik vor, die man verbieten lassen könnte. Die Grenze zur Schmähung / Beleidigung ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschritten.

Wir verstehen, dass Sie die Veröffentlichung stört und sich diese – wie Sie ja selbst schreiben – auch geschäftsschädigend auswirken kann. Auf Basis der vorliegenden Informationen können wir allerdings derzeit rechtliche Schritte gegen den Autor nicht empfehlen.
Vielleicht könnten Sie zufriedene Kunden ermutigen, Sie in Internetforen ausdrücklich weiter zu empfehlen – das würde auch die Reihenfolge der Google Suchergebnisse beeinflussen.“

Aus diesem Text geht sehr deutlich hervor, dass die Grenzen der üblen Nachrede im Internet sehr weit gesteckt sind und auf rechtlichem Wege sehr wahrscheinlich nicht viel erreicht werden kann.

Wie kann man sich also konkret gegen üble Nachrede im Internet wehren?

Die Möglichkeiten sind eher begrenzt, der rechtliche Weg ist in den meisten Fällen relativ aussichtslos und man muss selbst aktiv dagagen vorgehen. Die meisten Foren sind bei Anfrage bereit die entsprechenden Einträge zu löschen, manchmal ist aber der Zuständige Admin nicht zu erreichen oder reagiert nicht auf Anfragen. In solchen Fällen wirkt ein freundlicher „offline“ Brief mit dem dezenten Hinweis, dass man die Sache sonst an den Rechtsanwalt weitergeben wird, oft Wunder. Schwieriger ist es, wenn die üble Nachrede in dem Blog oder Webseite desjenigen veröffentlicht wird, der sie selbst verfasst hat. Hier helfen oft nur massive Drohungen, ich habe auch schon von einem Fall gehört in dem derjenige sogar mit Geld bestochen wurde damit er den Eintrag löscht…
Nicht so leicht herauszufinden und noch schwieriger zu eliminieren ist die üble Nachrede in sozialen Netzwerken wie Facebook & Co., oftmals befindet man sich logischerweise nicht unter den Freunden desjenigen, der mies über einen herzieht und so bekommt man das Genze nur dann mit, wenn jemand anderes aus dessen Freunde-Netzwerk Ihnen davon berichtet. Hier hilft dann ebenfalls nur das Drohen mit dem Anwalt oder sonstige Drohungen (wissen Sie vielleicht ob er seine Frau betrügt?) oder eine Üble-Nachrede-Gegenoffensive, die aber wohl eher nach hinten losgehen dürfte.
Alles in allem ist die üble Nachrede im Internet eine wirklich üble Sache und die Möglichkeiten dagegen vorzugehen sind leider ziemlich begrenzt.

Grundsätzlich sollte man so wenig wie möglich über sich selbst im Internet preis geben, nur echte Freunde auf Facebook hinzufügen und sich anonsten unauffällig verhalten. Wenn die Menschen zu viele Details über Sie wissen können diese allzu schnell gegen Sie verwendet werden oder aus dem Kontext genommen ein schlechts Licht auf Sie werfen.
Seien Sie auch sehr vorsichtig im Umgang mit anderen – zunächst freundlich erscheinenden Bloggern/Kollegen/Freunden – Blosse Meinungsverschiedenheiten können zu öffentlich aufgebauschten Grundsatzdiskussionen mit höchst beleidigenden Charakter werden. Nicht jeder ist so professionell und distanziert wie es die Kommunikation im Internet eigentlich erfordert.

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