osCommerce versus den Rest der Shopsysteme oder „die unendliche Geschichte“

Vor einigen Monaten trat Sonja, eine sehr gute, lamgjährige Freundin mit der Bitte an mich heran ihr bei der Realisierung ihres Onlineshops zu helfen. Sonja hat drei grosse Geschenkartikel-Läden in Süddeutschland und durch die permanent rückläufigen Einnahmen sah sie sich gezwungen auch auf den Zug des Onlinebusinesses aufzuspringen. „Klar!“ sagte ich „Kein Thema – das kriegen wir schon hin…!“ Wohl unterschätzend, dass ich bisher nur im Team ähnliche Projekte realisiert hatte wobei mir lediglich der Part des Konzepts und Gestaltung sowie des Onlinemarketings zugefallen war. Aber im Alleingang? Hm. Das war dann doch schon was anderes!

Die Wahl des geeigneten Shopsystems

Alles fing mit der Wahl des Shopsystems an. Ich las mich durch sämtliche Foren und Berichte, Bewertungen und Gegenüberstellungen und niemand rückte aber eigentlich mit der wirklich getesten Wahrheit heraus, das meiste war nur hier und dabgeschrieben und es wurden die reinen Features in Form von Listen verglichen.

Was waren zunächst unsere Anforderungen? Günstig sollte es sein, erweiterbar und anpassbar, SEO optimierbar und einfach zu handhaben und Templates sollte es dafür geben, die unseren Anforderungen gerecht werden konnten und bezahlbar sind.

Die Shopsysteme die ich näher unter die Lupe nahm waren Magento, Xtcommerce, Oscommerce, Oxideshop und einige weitere, nicht gross nennenswerte Systeme. Die einziegen beiden Systeme für die es wirklich eine gute Auswahl an professionellen Templates gab waren Magento und Oscommerce, Xtcommerce ist besser im deutschen Markt integriert aber jede Erweiterung kostet Geld und die Templates sind wirklich grauenhaft und ein normaler Programmierer kann so ein Template nicht ohne weiteres anpassen, man wäre also ausschließlich von den Jungs abhängig, die das ganze zusammen gebastelt haben. Oxid Shop war einfach viel zu teuer und schied aufgrund dessen sofort aus, auch wenn er einen wirklich professionellen Eindruck auf mich machte. Blieben also Magento und Oscommerce, sozusagen der alte Riese der Shopsysteme gegen den neuen.

Ich bin dann stundenlang alle Features durchgegangen und da Magento noch nicht so etabliert war und einige wichtige Features zu fehlen schienen und ein Server dafür nötig war (und Sonja nicht bereit war 80,- € im Monat für denselben zu bezahlen) haben wir uns dann schlussendlich für Oscommerce entschieden.

Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

Den Oscommerce-Shop einrichten

Wir kauften ein hübsches Template, dass ich anpasste und ein Logo dafür kreiierte, so dass der Shop auch schon nach wenigen Tagen sehr nett und professionell aussah. Aber nach und nach zeigten sich die grossen Schwachstellen des Oscommerce-Systems. Ganz die erfahrene Unternehmerin, die Sonja ist, hatte sie auch hohe Ansprüche an ihren Shop. Alles sollte möglichst automatisiert laufen, d.h. Rechnung (Faktura) und Bestandsabgleich, Versandlabel sollten auf Knopfdruck verfügbar sein. Ok dies hatte ich mit ein paar modifizierten Modulen hinbekommen. Dann ging es los mit den Artikelattributen – von vielen Artikeln gibt es nicht nur eine Version, sondern mehrere – was Farbe, Grösse oder Form anbelangt, etwas dass in OSC scheinbar nicht vorgesehen ist. Auch dass lies sich mit einem halb selbst programmierten und angepassten Modul einrichten und auf diese Weise entwickelte sich der Shop langsam zu einer Art Flickenteppich, zusammengepusselt aus verschiedensten Modulen und Erweiterungen, die sich auf ungeahnte Weise teilweise gegenseitig störten oder aufhoben (stundenlanges Debugging und Ursachen finden und beheben waren die Folge).

Ebay, Yatego, Amazon & Co. an Oscommerce anbinden?

Ich blieb solange guter Dinge, bis wir zu dem Punkt kamen, dass andere Marktplätze wie Yatego, ebay und amazon an den shop angebunden werden sollten (davon war zu Anfan noch keine Rede gewesen, deswegen hatte ich diesen Aspekt bei meinen anfänglichen Recherchen nicht berücksichtigt). Das war dann die Sackgasse in die wir uns mit unserem Oscommerce-shop und seinen tausend Erweiterungen heinein gerieten. Für den Shop alleine war die schlichte Warenwirtschaft, die ich integriert hatte vollkommen ausreichend – aber wie sollte dieses modifizierte System möglichst nahtlos an andere Plattformen angekoppelt werden? Auch da machte ich mich schlau und ging alle gängigen serverseitigen Warenwirtschaftssysteme durch, die an die verschiedenen Plattformen anbindbar sind und actindo.de wäre da die ideale Lösunge gewesen – wenn es Oscommerce kompatibel gewesen wäre…

Also musste wieder ein Modul er, dass mit diesen Plattforemen aus dem Oscommerce-shop heraus kommunizieren kann und nach dem ich erst afterbuy getestet hatte (die netterweise kein kostenloses Modul zum Anbinden eines OSC-shops anbieten) bin ich auf den Magnalister gestossen, der – welch Wunder – tatsächlich ein Modul für OSC anbietet!

Mithilfe des Magnalisters habe ich ebay und yatego halbwegs vernünftig angebunden, aber ein wirklicher Abgeleich zurück (also dass die Produkte vom Stock im OSC-shop abgeogen werden) war bei Yatego aufgrund derer seltsamen Strukturen nicht möglich. Bei ebay werden alle Bestellungen nebst Kundendaten an den Shop übertragen. Das Problem sind allerdings die Artikelattribute, die der Magnalister logischerweise nicht mit übergeben kann, da dies eine eigene Erweiterung des shops ist und in der standartversion (auf die der Magnalister aufbaut) nicht enthalten ist. Das bedeutet also die verschiedenen Atrribute müssen mühsam und zu Fuss in ebay und yatego angelegt werden – also ist für diese Artikel schon mal gar kein automatischer Abgleich möglich.Yatego ist an sich sehr konfus und unübersichtlich und die Varianten anzulegen langwierig und ziemlich umständlich. Noch dazu kann für die einzelnen Varianten nicht eine Bestandsmenge zugewiesen werden! Wenn ich also 3 rote, 5 weisse und 12 schwarze Artikel habe kann ich das nicht eingeben!

Wir jaben die meisten Artikel des shops (ca. 150 Stk.) in Yatego eingepflegt aber in einem Zeitraum von zwei Monaten sind nur zwei Verkäufe über Yaego reingekommen. Für den Arbeitsaufwand und die monatlichen Grundkosten von ca. 60,-  viel zu dünn. Kann ich also nicht unbedingt empfehlen. Vielleicht ist Yatego etwas für sehr spezielle, einzigartige Produkte, aber dadurch, dass das Layout etwas altbacken und langweilig daherkommt und noch dazu für den unerfahrenen Käufer nicht sehr übersichtlich oder verständlich angelegt nehme ich an bringt diese Plattform nicht wirklich was. Vielleicht ab 3.000 Artikeln aufwärts – ja gut aber wer fängt schon mit einer solchen Menge an Artikeln an?

Shopmarketing

Eine weitere Überraschung bot Google Adwords. Als langjähriger Adwords-Profi habe ich natürlich sofort eine Kampagne für den fertigen Shop aufgesetzt – mit den relevanten, gründlich recherchierten Keywords und vollkommen durchoptimiert  – ganz so wie bei anderen Projekten auch. Aber von den 200 Besuchern, die ich damit am Tag erzielte kaufte höchstens einer etwas. Daraufhin optimierte ich den gesamten Checkout-Bereich zu einem one-page-checkout, denn ich sah viele Ausstiege aus dem Warenkorb. Aber es brachte kaum merklich etwas. Dann stellte ich die gesamte Kampagne um und gestaltete image-Anzeigen mit Produktbildern mit Preisangabe und Direktlink zu genau dem abgebildeten Produkt und schaltete diese nur im Contentnetzwerk – und wieder nichts. Ausser Spesen nichts gewesen! Diese Werbeform ist also für einen kleinen Onlineshop mit derzeit nur 200 Artkeln gänzlich unbrauchbar. Ganz im  Gegensatz zu meinen bisherigen Erfahrungen mit Seiten aus dem Dienstleistungsbereich mit denen ich immer sehr gute (und vor allem sofortige) Erfolge mit Adwords erreicht habe, standen die Werbekosten und die Einnahmen bei dem Onlineshop überhaupt nicht im Verhältnis.

Marketingtechnisch gesehen ist der Shop schwierig zu bewerben, da die angebotenen Produkte sehr unterschiedlich sind – von Party- u. Spassartikeln, Spielzeug und Modeaccessoires bis hin zu Wohndeko und Geschirr ist irgendwie alles dabei. Sonja hatte diesselbe Ware für den Onlineshop bestellt wie für ihre „realen“ Läden und das leider schon bevor sie mit dem Auftrag zu mir kam. Also mussten wir damit anfangen, auch wenn ich es sehr viel besser gefunden hätte mich erstmal auf ein Thema zu konzentrieren und dieses dann später vielleicht auszuweiten.

Fazit

Im Rückblick kann ich Oscommerce insgesamt also nur sehr bedingt empfehlen, es ist mittlerweile überholt und veraltet und Magento hat viele Features (wie z.B. die Artikelattribute), die wichig sind schon von haus aus integriert und kann sehr viel besser an andere Systeme angebunden werden. Auch wenn es wesentlich komplexer ist ist es auch vielseitiger und machtvoller und es gibt eine ganze Reihe von sinnvollen Extensions, die wirklich ihr Geld wert sind. Mit der Zeit werde ich den shop auf Magento umstellen müssen und habe mich schon etwas in dieses System eingearbeitet und findes es im Vergleich zum OSC wirklich sehr viel besser.

Alles in allem kostet ein guter Onlineshop, egal auf welchem „kostenlosen“ System er aufsetzt um die 4.000 € so oder so – einfach aufgrund der umfangreichen Einrichtung, der Anpassungen im Design, der SEO-Optimierung und alledem. Das Einpflegen der Produkte ist hier noch gar nicht mit inbegriffen.

Ich empfehle lieber einen neuen Shop auf Magento aufsetzen und diesen dann an actindo anzubinden, welches angeblich vollkommen nahtlos in der Lage sein soll Wawi, Rechnungswesen und plattformübergreifendes Abgleichen der Artikel zu bewältigen (ob dies dann tatsächlich so ist müsste dann natürlich eingehend überprüft werden…). Von Yatego würde ich eher Abstand nehmen, denn das hat uns bisher ausser Ausgaben gar nichts gebracht.

Zu unseren Anfangserfahrungen auf ebay werde ich dann im nächsten Post berichten…

9 Antworten
    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      @Danilo – das Problem mit den meisten shopsystemen, vor allen den Neueren und weniger gebräuchlicheren ist immer die Theme-Gestaltung. Bei OSC und Magento gibt es bereits eine riesige auswahl an fertigen Themes – bei den b´meisten anderen nicht.

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  1. maschendraht-shop
    maschendraht-shop says:

    Also ich kann den schönen Erfahrungsbericht mehr als bestätigen!!!!
    Zwar benötigt man für magento auch das ein oder andere Modul um den Funktionsumfang zu erweitern, allerdings ist er deutlich moderner, SEO-technisch deutlich freundlicher, und wenn man mal einen 2. Shop integrieren möchte, kein Problem, den die Multishopfähigkeit ist das wirkliche Plus im Magento System!!! die Unterscheidungen der Ebenen zwischen Global –> Website –> Store –> StoreView bröseln die Möglichkeiten bis ins Kleinste auf, was jegliche Wünsche und Varianten ermöglicht!!! Bei Interesse gibt es auch tolle Podcasts dazu!!!

    Fazit: Magento ist die deutlich bessere Wahl und bei guten Hostern läuft der Magento auch wunderbar, man benötigt ab der Version 1.4 nicht wirklich einen eigenen Server!!!
    Hosting Tipp –> http://www.wikosoft.de

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      @maschendraht – also Mangento ist definitiv auf meiner To-Do-Liste. Wir bleiben jetzt zwar erstmal beim OSC, es funktioniert inzwischen ganz gut in Verbindung mit dem Magnalister. Aber für das nächste Projekt werde ich auf jeden Fall Magento verwenden!

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  2. Daniel
    Daniel says:

    Super und ausführlicher Bericht.

    Für einen günstigen Start wer es versuchen will seine Artikel im Internet zu verhöckern ist es sicher nicht schlecht. Wir haben auch mit OSC begonnen, aber als es dann ziemlich wuchs, war schnell klar, dass wir wechseln müssen. Wir haben uns dann aber für eine absolut eigene Variante entschieden im mit Cake Programmierung. http://www.eyeslipsface.ch wer mal reinschauen will.

    Antworten
  3. Jana
    Jana says:

    Schade, das du mich nicht gefragt hast. Ich habe eine 7jährige Leidensgeschichte durch. Angefangen mit OS-Commerse, umgestiegen auf XT-Commerce und geendet bei Magento. Fazit: alle drei Shopsysteme sind Krücken und für nicht programmier-erfahrende Shopbesitzer ein Grauen! Sprich ohne kompetenten Programmierer bekommt man kein Shopsystem ohne weiteres zum laufen. Das Problem ist aber einen kompetenten Programmierer zu finden. Ich habe auf meiner Suche nach einem viele schlimme Dinge erlebt und viel Geld in Sand gesetzt. Mein Magento-Shop läuft nun schon seit 3 Jahren. Aufgrund individueller Anpassungen einen „Magento Gold Partners“ ist er seitdem nicht mehr Updatefähig und müsste komplett neu gemacht werden.
    Mein Fazit: Je nachdem wie viele Produkte man hat, würde ich auf Shopsysteme zurück greifen die gehostet und gewartet werden. Dort zahlt man pro Monat eine kleine Miete u. eigene Templates sind auch möglich. Das ist allemal günstiger als das was ich den unfähigen Programmierern hinterhergeworfen habe. Ich sollte ein Buch über meine Erfahrungen schreiben….
    VG Jana

    Antworten
    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      @Jana – willkommen in meinem Blog! 😀 freu.
      Das mit Magento habe ich auch schon befürchtet – dass es auch extrem angepasst werden muss. Mittlerweile haben wir uns mit dem OSC-shop ganz gut arrangiert, dank der wirklich kompetenten Unterstützung der Magnalister-Leute ist das zentrale Verwalten von ebay, yatego und amazon aus dem shop heraus nun reibungslos möglich – alle Bestellungen werden sauber übertragen. Nur das Anlegen von neuen Produkten in amazon funktioniert noch nicht so gut, dass mache ich da dann direkt, dauert dann auch nciht länger. Es ist nicht das Gelbe vom Ei aber dafür lädt der shop wesentlich schneller als ein Magebnto-Shop und ist auch super optimiert und vor allem weiterhin gut ausbaufähig.

      Fall Du vielleicht doch wieder zurück umsteigen möchtest kann ich meinen (zum Glück sehr kompetenten) Programmierer gern bitten Dir unser System mit seinen tausend Anpassungen und Erweiterungen (speziell für den deutschen Markt) auf Deinen Server zu installieren… 😉 Sicher gäbe es auch eine Lösung Deine Produkte irgendwie zu importieren.

      Das Problem mit den Mietshops ist finde ich dass man dann irgendwie nicht wirklich die Hand drauf hat – was ist wenn die den Support einstellen, die Miete erhöhen oder sonstwas, abgesehen davon wollen die meist recht ordentliche Beträge sehen… Da dies ein Kundenprojekt ist schied diese Variante ohnehin von vorneherein aus, weil die Kundin unbedingt was eigenes haben wollte…

      LG Divena

      Antworten
  4. Danilo
    Danilo says:

    @Divena – Ubercart ist ein Drupal-Modul, also können Drupal-Themes verwendet werden, von welchen es Tausende gibt. Ein Shop-Artikel ist dann einfach eine normale Node, wie auch ein Blogeintrag oder eine Seite und kann entsprechend mit einem Template angepasst werden. Ist wirklich recht simpel.

    Das Problem sehe ich eher bei der Projekt-Aktivität. Weiss nicht wie es um die steht.

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