Stöckchen aufgehoben – „durchgeknallt“

Jana von Janasworld.de hat ein Stöckchen liegen lassen, welches ich einfach mal aufgehoben habe…

Erzähle mindestens 5 Eigenschaften, welche dich zu etwas Besonderem machen. Bist du besonders liebenswert, lustig und komisch, vielleicht sogar für den Einen oder Anderen eklig, oder vielleicht sogar weltbewegend? Schreibe einen Post und nenne mindestens 5 Marotten, Spleens, Eigenarten, ect. – gerne auch mehr!

1. Eigenschaft: Ich bin naiv, ja ehrlich ich bin dermassen naiv, dass ich an meinen Idealen, Prinzipien und Grundsätzen festhalte und daran glaube auch wenn mich andere dafür für vollkommen bescheuerrt halten, besonders hier in Südamerika.

2.Eigenschaft: Ich arbeite konstant an mindestens 10 Ideen gleichzeitig, verwerfe, prüfe, arbeite weiter, verzweifle, suche Lösungen und robbe mich auf diese Weise allmählich vorran, immer mit der Hoffnung den grossen Durchbruch zu schaffen – andere bezeichnen dies als vollkommen durchgeknallt und hoffnungslos, für mich ist es allerdings meine ganz normale Realität, die ich mir auch nicht anders vorstellen kann.

3. Eigenschaft: Self-made-Leidenschaft, es gibt fast nichts, was ich nicht schon mal ausprobiert hätte, mich treibt die Faszination alles selber machen zu können, was in irgendeiner Hinsicht schöpferisch ist – angefangen bei Naturseife, Kosmetik, alle Sorten und Arten künstlerischer Techniken, töpfern (mich haben Jugendstilfliesen so fasziniert), tischlern, Lampem, scrapbooking – aber auch kulinarisches wie Gummibärchen und Lollis, diverse Torten und Kuchen, Marzipantierchen etc. etc. etc… Mein Traum ist ein grosses Atelier wo ich mich in jeder Hinsicht austoben kann!

4. Eigenschaft: deckt sich mit der von Jana – ich heule Rotz und Wasser bei jeder rührenden Filmszene … Die Romantikerin in mir fiebert mit allen weiblichen Charakteren mit, manchmal bin ich nach einem guten Film total groggy, dazu kommt noch meine Passion für Zitate, Gedichte und Anekdoten. Damit nerve ich mein Umfeld bis zur Weissglut (wenn ich Konfuzius nur erwäne schenkt mir mein Mann einen dieser derart vernichtenden Blicke, dass ich sofort wieder verstumme…).

5. Eigenschaft: Unverbesserliche Idealistin,  meine Helden sind jene die das einfache oder andere Leben suchten, wie Henry David Thoreau, Scott & Helen Nearing, Jean Liedloff – auch in mir schwellt die Suche nach dem Einfachen, die Reduzierung auf das absolut Wesentliche – um der Essenz des Lebens selbst nahe zu kommmen – ganz so wie Thoreau es sagte: „Ich ging in die Wälder, weil ich bewußt leben wollte. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen! Und um alles fortzuwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag innezuwerden, daß ich nie gelebt hatte.“ Allerdings fehlt mir aufgrund meiner sozialen Verstrickung und der schlichten Tatsache Mann und Kind zu haben, die diesen Wunsch nicht teilen, die Möglichkeit mich in diese Richtung weiter zu entwickeln, insgeheim hebe ich mir dies aber für die Zeit auf, da ich alt, grau und hässlich bin und es sicher niemandem mehr auffallen wird, wenn ich still und leise in die Wälder verschwinde…

Von meinem Mitmenschen werde ich eher als zurückhaltend, leise und als normal bis unscheinbar wahrgenommen – eine Tarnung, die ich mit den Jahren perfektioniert habe, denn meine Erfahrung ist es lieber unbemerkt zu bleiben und mein eigenes Ding durchzuziehen – die meisten können es sowieso nicht nachvollziehen und auf demotivierende Vorurteile kann ich ohnehin verzichten – Gleichgesinnte kennen mich allerdings wie ich tatsächlich bin, bzw. mein ganzes Innenleben.
Der Handelnde ist immer gewissenlos und der Kreative immer verrückt

Grosse Ideen werden allesamt solange verkannt und belächelt, bis sie erfolgreich sind so Prof. Faltin.

Ich liebe all jene, die sich trauen ihren eigenen Weg zu gehen, jene denen eine gewisse Radikalität gemein ist und die den Mut haben an das Hoffnungslose zu glauben und sich niemals in dem beirren lassen, was sie tun, sei es auch noch so verrückt!

Auch ich lasse dieses Stöckchen hier liegen – also lieber Blogger heb es auf und mach was draus!

6 Antworten
  1. Jana
    Jana says:

    Manchmal ist es erschreckend, wie ähnlich wir uns manchmal doch alle sind und trotzdem fühlen wir uns alleine und manchmal auch sehr einsam. Punkt 5 ist bei mir ganz ähnlich, ich glaube ich bringe meinen Partner teilweise auch um den Verstand, wenn ich mit diesen Ansätzen komme. Bei mir dreht sich alles zur Zeit um Konsum und wie wir Leben. Ich sehne mich manchmal nach meiner einfachen DDR-Kindheit zurück, in der wir im Einklang der Jahreszeiten uns ernährt haben. Ich sehne mich nach Menschen, mit denen ich mich darüber unterhalten kann, aber ich merke, dass ich keinen Draht zu anderen finde. Als flüchte ich in Bücher und früher, bevor ich mein Kind hatte, bin ich ganz oft stundenlang alleine unterwegs gewesen, um auch nur halbwegs meine Gedanken ordnen zu können. Das fehlt mir sehr.

    In Punkt 3 sind wir uns auch sehr ähnlich, es gibt glaube nichts, was ich nicht schon probiert hätte. Doch meistens verebbt die Lust und Leidenschaft nach Tagen, Wochen, Monaten und ich probiere das nächste aus. Das ich schon über 15 Jahre fotografiere und immer noch dabei bin, grenzt an ein Wunder.

    Punkt 1 gehört mit Punkt 3 zusammen. Nur eine gewissen Naivität, Neugier und kindliches Verhalten erlaubt uns das andere zu tun. Wären wir nicht naiv wie viele unserer Mitmenschen, könnten wir aber auch nicht künstlerisch tätig sein.

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  2. Divena Smought
    Divena Smought says:

    @Jana – ich habe die DDR selbst nie erlebt, aber begegne vielen, die ähnliches erzählen und sich nach den einfacheren und nicht dermassen konsumorientierten Leben zurücksehnen, ich kann das sehr gut nachvollziehen und finde es manchmal sogar fast schade nicht eine solche Erfahrung gemacht zu haben. Allerdings sind meine Eltern radikale „Ökos“ gewesen (jetzt nicht mehr so), so dass ich auf andere Weise Entbehrung und eine Art alternatives Leben erfahren durfte.
    Die Einsamkeit, von der Du schreibst kenne ich auch, wie selten gibt es Menschen, die das aufgreifen bzw. verstehen können oder sich dafür interessieren, was einen wirklich beschäftigt. Einsamkeit im Geiste hat auch nichts damit zu tun ob man tatsächlich alleine ist oder unter vielen Menschen – wenn jene Menschen fehlen, die einem im Geiste entsprechen können. Die Einsamkeit ist aber auch der Begleiter der Verrückten und der Künstler … 😉
    Dass Du seit 15 Jahren fotografierst ist sehr schön und es scheint Dir auch zu entsprechen. Es gibt immer eine „Disziplin“ an der man hängen bleibt und in der man den besten Ausdruck für sich findet. Fotografie hatte mich während des Studiums auch sehr beschäftigt – tagelang war ich im Studio und im Fotolabor, habe sehr viele, vor allem abstrakte Fotos gemacht, stundelang experimentiert etc. Komischerweise hatte mich dann die Umstellung auf die digitale Fotografie total frustriert – wo blieb das Spannende, das Entwickeln, Belichten, darauf warten das das Bild im Entwickler erscheint. Der Zauber der Fotografie war komplett verlorengegangen! Dann war jahrelang die Auflösung und die Qualität der digitalen Kameras so schlecht, dass ich mir nie eine kaufen mochte.
    Ich habe eine alte Rollei, eine Holga und meine geliebte Pentax mit sämtlichen Objektiven, diese Kameras haben alle ihre eigenen Persönlichkeiten und ich habe sie entsprechend eingesetzt. Seit geraumer Zeit jedoch schlummern sie in einer Garage in Deutschland und warten darauf irgendwann (wahrscheinlich von meiner Tochter dann) wieder entdeckt zu werden…
    Zum Punkt 1 fällt mir noch ein was ich damals in Kreativitätstheorie gelernt hatte – man kann nur solange wirklich schöpferisch tätig sein solange man möglichst wertfrei und unvoreingenommen an die Dinge herangehen kann – diese Fähigkeit verliert man mit dem Alter und es setzt ein mehr und mehr ein erstarrtes, vorurteilsbeladenes Denken ein – auch Zensor genannt. Der Zensor ist ein Filter, den jede Idee gedanklich passieren muss und damit die grösste Bremse innerlich. Den Zensor kann man auf leichteste Weise z.B. mit Drogen (Alkohol, LSD) umgehen (das erklärt auch die Alkoholikerrate unter den Künstlern) oder durch bewusstes Ausklammern, was aber sehr schwierig ist. Daher ist die Naivität ein Schlüssel zur Kreativität und ich bin froh, dass ich es immer noch bin – auch wenn es viele negative Auswirkungen haben mag und ich von anderen dafür verurteilt und oft auch ausgenutzt werde – dafür bin ich immer noch begeisterungsfähig, wenn auch nicht mehr so unvoreingenommen wie ich es früher war. Ich merke dass mein Umfeld hier mir in der Hinsicht gar nicht gut tut, die Leute sind hier vor allem nur daran interessiert irgendwie über die Runden zu kommen und erworbenen Reichtum anhand von Prestigeobjekten für jedermann ersichtlich zur Schau zu tragen. — Aber das ist ein anderes Kapitel und will ich hier gar nicht erst aufmachen…

    Unser kleiner Dialog, liebe Jana, freut mich jedenfalls riesig und es ist ein bisschen schade, dass ich trotzdem ich schon so lange Deinen Blog mitlese erst so spät getraut habe auch mal einen Kommentar zu schreiben…

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  3. Hörmann Handsender
    Hörmann Handsender says:

    Die ersten drei Eigenschaften treffen ebenfalls auf mich zu :) ja die vierte eher weniger, wobei ich für einen Mann doch sentimental bin und die fünfte trift nicht ganz so zu.

    Zwei tolle Kommentare, genauso gut wie der Beitrag.

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      @ Hörmann – tja es gibt wirklich wenige Leute, die offen zugeben naiv und etwas verrückt zu sein und Du als Mann bist da wohl die grosse Ausnahme – aber gerade das ist etwas, dass man sich erhalten sollte und das Dich besonders macht! Ich freue mich sehr da doch nicht die einzige zu sein…! 😀

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  4. Vallartina
    Vallartina says:

    Nun habe ich wenigstens gleich beim ersten Beusch auf Deinem Blog etwas über Deine Gedanken, Gefühle und Deine Philosophie erfahren, danke dafür.

    Muss aber jetzt gleich noch weiterlesen, wie das Alltagsleben in Peru so aussieht…
    Viele Grüsse,
    un saludo cordial!

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