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Braucht der Mensch einen tierischen Begleiter?

Wir kennen sie alle, die Hundefreaks, die Katzentanten und die Meerschweinchenuschis – riesige Zoogeschäfte leben von einem gigantischen Umsatz an Futtermitteln und ca. jeder 3. Deutsche nennt ein Haustier sein eigen. Aber warum eigentlich? Was sagt dies über uns aus?

Auch ich muss gestehen mich davon nicht ausnehmen zu können… Lola mein Graupapgeikind sitzt gerade auf meinem Bein und krakeelt ganz niedlich vor sich hin. Seit sie als 4 Wochen altes unbefiedertes Vogelbaby zu mir kam habe ich sie jeden Tag alle 4 Stunden mit der Spritze gefüttert, die letzte nachts um 1.00 und die erste morgens um 6.00 Uhr… Mittlerweile frisst sie alleine und ist vollkommen ausgewachsen und kann auch schon fliegen. Aber warum habe ich mir das eigentlich angetan, all der Stress, die Unabkömmlicheit, die Kosten – an die tausend Euro bis jetzt? Warum habe ich mir dieses graue Federvieh mit dem roten Schwänzchen zugelegt und vorher wochenlang extrem unter der Trennung von meinen geliebten Vögeln gelitten, die ich in Peru zurücklassen musste? Eigentlich irrational und von meinem Mann überhaupt nicht nachvollziehbar, er versteht das absolut nicht.

Die allgemein bekannte Erklärung des Ersatzes ist so gesehen in meinen Augen nicht wirklich ausreichend und vor allem zu negativ besetzt (soziale Defizite kompensieren). Ich habe eine Tochter, eine gute Beziehung und viele Freunde, einen ausgefüllten Job und werde demnächst (morgen, übermorgen?) wieder Mutter. Ich brauche keinen Ersatz für irgendetwas, nein mein geliebtes Vogelkind stellt für mich eine ganz eigene, zusätzliche Bereicherung dar. Ein Tier, sei es noch so klein oder unzugänglich (man denke nur an die Terrarientiere) übt eine Faszination des Andersartigen aus, ein Lebewesen, komplett verschieden von uns in seinen Ansprüchen, seiner Lebens- und Ausdrucksweise und deswegen bereichernd, inspirierend und interessant.

In meinem Falle geht die Bindung noch tiefer als gewöhnlich, da ich meinen Papagei selbst aufgezogen habe und somit ein vollkommenes Vertrauen zwischen uns herrscht und das Tier mir gegenüber keinerlei Scheu empfindet. Da besonders Graupapgeien empfindsam, hochintelligent und liebevoll sind ist ein grosses Potential gegeben um sich gut aufeinander einzustellen und miteinander kommunizieren zu können.
Lola übt schon fleissig Wörter, lernt was sie darf und was nicht (z.B. Tastaturen und Stifte zerbeissen geht ja mal gar nicht…) und sie kommt bereits angeflogen wenn ich sie rufe (naja meistens, es sei denn sie ist gerade mit etwas sehr interessantem beschäftigt). Wenn sie müde ist klettert sie an meinem Bein hoch und kuschelt ausgiebig bis sie eingeschlafen ist – es gibt wirklich nichts Vergleichbares wie dieses innige Vertrauen eines schlafenden Vogels auf dem Schoss…! Sie ist natürlich sehr verspielt, frech und manchmal ein bisschen verrückt (wenn sie laut krächzend mit aufgestellten Federn auf irgendetwas losgeht, dass ihr nicht ganz geheuer ist) eigentlich irgendwie menschlich vertraut und doch ganz anders…

Graupapageien sind in der Lage Wörter nicht nur zu repetieren sondern sie auch im sinnhaften Kontext anzuwenden. Sie können sogar lernen verschiedene, logisch struktuierte Aufgaben zu lösen, zu rechnen und ihre Bedürfnisse direkt mitzuteilen. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür ist Alex, das Vogelgenie aus Harvard, ein über 30 Jahre lang trainierter Graupapgei, der für bahnbrechende Erkenntnisse in der Tierverhaltensforschung gesorgt hat. Alex hat der Welt eindrucksvoll gezeigt wozu ein kleiner Papagei in der Lage ist und damit viele Theorien mal eben über den Haufen geworfen…

Hier ein Nachruf auf diesen außergewöhnlichen Vogel:

Was also steckt hinter der Beziehung  zwischen Tier und Mensch?

Das Interessanteste allerdings – und jetzt komme ich zu dem Punkt um den es mir eigentlich geht – ist die Inspiration, die von einem solchen Tier ausgeht. Das Tier zwingt uns dazu nicht nur seine Andersartigeit zu akzeptieren sondern diese auch verstehen zu lernen und adäquat damit umzugehen. Die Kommunikation mit einer anderen Spezies ist eine helfende Eigenschaft und Vorraussetzung um auch bei anderen Problemen durch verschiedene Blickwinkel zu neuen Lösungsansätzen zu kommen. Das Tier fordert uns täglich aufs Neue heraus, nervt uns, entzückt uns, will geliebt und verstanden werden ist uns ein treuer, verlässlicher, höchst zugewandter Begleiter und erweitert unseren Horizont in unvergleichlicher Weise.
Es nimmt uns die Überheblichkeit des Menschseins und versöhnt uns mit den anderen Geschöpfen der Schöpfung… Und wer behauptet ein Tier könne nicht lieben – der hat nicht so eine innige Vogelliebe erlebt wie ich mit meinem grauen Schätzchen…

Lola und ich…

27 Antworten
  1. Lena
    Lena says:

    Absolut zu unterstreichender Text. Danke dass du auch mal mit dem Vorurteil aufräumst, man würde sich nur ein Tier zulegen wenn man sonst keinen Kontakt zu Menschen hat oder bekommt. Absoluter Humbug so eine Aussage.
    Ein Tier ist viel mehr als ein Ersatz und ergänzt das Familienleben perfekt!

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      @Lena – Eben, ich denke ein Tier erweitert das soziale Leben und die soziale Komptenz des Menschen, einen Ersatz für einen Menschen oder fehlende soziale Kontakte kann es kaum sein…

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  2. Annelise@Annelise bloggt
    Annelise@Annelise bloggt says:

    Das habe ich doch gar nicht geglaubt dass ein Papagei ein tausend Euros kostet… das ist doch wahnsinn.. anderseit, falls Du ihn wirklich liebst und mit deinem Liebling dich viel beschaeftigst, kann ein Tier wirklich etwas mehr Freude im Leben geben. Diese Tiere müssen echt intelligent sein!

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Also meine Graue ist noch sehr jung, aber extrem neugierig und verspielt. Sie hat schon jetzt mehr gelernt, als so das Standardrepertoire eines Hundes umfasst (ok von der Stubenreinheit mal abgesehen) und lernt jeden Tag dazu. 1000,- Euro erscheint viel, aber das Tierchen kann auch bis zu 60 Jahre alt werden und ist natürlich etwas ganz anderes als ein herkömmliches Haustier (allerdings gibts da ja auch extrem teure Hunderassen z.B.). Man muss sich auch intensiv mit einem Papagei beschäftigen und ihn vollkommen in sein Leben integrieren, sonst geht er ein. Mein Huhn ist fast die ganze Zeit bei mir und ist auch tödlich beleidigt, wenn ich sie für ein paar Stunden in den Käfig tun muss, wenn ich nicht da bin… Das muss man auch bedenken. Auf lange Sicht muss für sie ein Vogelpartner her, damit sie nicht nur auf mich fixiert ist und einen Artgenossen hat mit dem sie sich beschäftigen kann. Aber da muss ich wohl noch ein bisschen sparen… 😉

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  3. Sophia
    Sophia says:

    Ich weiß nicht,
    ich denke oft, dass manche Menschen, die sich so rührend um Tiere kümmern sich auch um Kinder kümmern könnten, die sie dann oft nicht haben. Und dabei wären gerade das oft sehr gute Eltern.

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  4. Andy
    Andy says:

    Was man braucht ist natürlich immer eine Frage. Ich liebe meinen Hund und kann es mir nicht vorstellen ohne ihn zu sein. Immer wieder toll, wenn er mich anschaut, ich mit ihm spazieren gehe und so weiter.

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  5. Carl
    Carl says:

    Ich denke, bei einigen Menschen wird der Kontakt zu ihrem Haustier sehr innig werden können. Ich kenne einige alte Damen, die lieben ihre Hunde richtig herzlich. Ich wüsste nicht, wie es denen seelisch ginge, wenn die Hunde vor ihnen verschieden. Daran mag ich gar nicht denken.

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  6. Grete@Grete bloggt
    Grete@Grete bloggt says:

    Ihr seid so süss auf dem Bild! Dieser Art der Papageien ist am intelligentesten, mein Bruder hatte damals auch einen grauen, und er könnte sogar komplexe Sätze nachähneln. Die brauchen aber einen riesengroßen Käfig!

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Lola hat natürlich einen grossen Käfig und sie ist eigentlich immer im Freiflug unterwegs wenn ich zuhause bin (was ich fast immer bin). Sie hat zwar so ihre Lieblingsplätzchen in der Wohnung aber sitzt am allerliebsten auf meiner Schulter und nimmt rege an allem teil, was ich so tue… Demnächst will ich anfangen sie für den Freiflug zu trainieren, dafür gibt es ein spezielles ultralleichtes Fluggeschirr mit langer Flugleine. Bestellt ist es schon, braucht aber noch ne Weile aus den USA hierher…

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  7. Aletta@Aletta bloggt
    Aletta@Aletta bloggt says:

    Oh! Meine Oma hatte damals auch ’nen grauen, der Bobby war so klug, er könnte alle die Geraeusche und Töne der Wohnung oder der Leute nachahmen. Kann deins auch sprechen? Do solltest ja ein Video auch hochladen!

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Da meine Graue noch ganz jung ist spricht sie noch nichts ausser Lola, Coco, sie imitiert diverse Geräusche (z.B. das Piepen der Mikrowelle, in der ich anfangs immer das Wasser für ihren Brai aufgewärmt hat ahmt sie immer dann nach, wenn sie Hunger hat), auch kreischt sie sehr gern (und fürchterlich schräg) mit wenn Musik läuft… Sobald sie mehr drauf hat werde ich sicher mal ein paar Videos einstellen…

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  8. Kay
    Kay says:

    Ich denke das gerade für Kinder die interaktion mit Tieren wichtig ist. Ich bin mit Katzen aufgewachsen und bin wirklich froh darüber!

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  9. Lara
    Lara says:

    Natürlich braucht jeder einen tierischen Begleiter! Ich glaube, dass die Leute mit einem Liebling eine schönere Seele haben, als die anderen ohne Tiere. Sie könne uns so viel Liebe geben, und echte Freunde sein!

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  10. Andy
    Andy says:

    Das hängt meiner Meinung nach sehr von der Person ab. Ich will unseren Hund nicht mehr missen. Andere hingegen sind auch ohne Tiere glücklich. Jedem das seine!!!

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  11. Lisa@ Kontaktlinsen für Anfänger
    Lisa@ Kontaktlinsen für Anfänger says:

    Wow! Kann deiner auch so toll sprechen? Diese Vögel sollen ja wirklich intelligent sein! So ein Freund kann so viel Spass machen! Ich könnte mir auch vorstellen, ein solcher Begleiter zu haben, obwohl für diesen Preis könnte ich es mir noch nicht leisten…

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  12. Jutta
    Jutta says:

    Meine Erfahrungen sind die, dass sich die meisten Menschen nach Nähe und Zweisamkeit sehnen. In den besten Fällen ist dies eine eigene Familie. Bei Singles wird der Partner oft durch einen tierischen Begleiter ersetzt. Eine Steigerung dazu wäre dann noch ein Handy oder verschiedene Netzwerke, die reale Freunde ersetzen.

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  13. Jasmin
    Jasmin says:

    Ich finde ein Hasutier zu haben ist extrem wichtig und bereichert das Leben. Außerdem habe ich mal gehört, dass Kinder, die Haustiere haben früher lernen Verantwortung zu übernehmen. Die Annahme, dass nur einsame Menschen Haustiere haben, ist absoluter Blödsinn, wer z.B. einen Hund hat muss jeden Tag mehrmals Gassi gehen und dabei trifft man ja wohl auch Leute, oftmals unterhält man sich dann auch mit anderen Hundebesitzern…

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  14. dieimwaldlebt
    dieimwaldlebt says:

    Ohne tierische Begleiter könnte ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen. Ich bin durch deine tolle Rezension zu meinem Buch hier gelandet und glatt hängen geblieben. Danke für beides :)
    Dein Blog gefällt mir gut und es macht Spaß hier zu lesen. Achja: Ich hatte auch mal einen Papagei. Lange ist es her. Inzwischen nur noch Mini-Papageien = Hühner. Aber auch die überraschen mich immer wieder.
    Liebe Grüße aus dem Wald
    Heike Langenkamp (dieimwaldlebt)

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Liebe Heike, da habe ich Dich also doch auf meinen Blog gelockt… 😉 Freut mich sehr! Deinen Blog habe ich auch schon fast durchgelesen… Bei mir ist es andersherum, ich hatte auch mal Hühner – vor 15 Jahren (nur drei und jedes hatte eine ganz eigene Persönlichkeit) und jetzt meine Graue, die ich auch gern verrücktes Huhn nenne… Was ist denn mit Deinem Papagei passiert? Die leben doch eigentlich fast so lang wie wir, ich hoffe nichts schlimmes? LG Divena

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  15. Kathryn
    Kathryn says:

    Sehr schöner Artikel, ich denke, das es aber völlig egal ist, ob es sich dabei um einen Papagei handelt, ein Hund oder eine Katze. Wenn Tiere einen mögen, ist es eine ehrliche und echte Liebe, das schätze ich so an meinen Tieren. Tiere lügen dich nicht an und zeigen dir auch sofort, wenn sie dich nicht mehr mögen!!

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  16. Stanislaw
    Stanislaw says:

    Ich habe einmal einen jungen kranken Grauschnäpper (so hieß der Vogel, wie mir später gesagt wurde) für ein paar Tage aufgenommen., der gerade dem Nest entschlüpft bzw. rausgefallen war. Ich war sehr erstaunt, wie anhänglich das kleine Tier war. Später habe ich ihn in professionelle Hände gegeben, damit er irgendwann seinen Weg in den Süden findet. Ich denke oft an ihn und ich kann zu der hier geäußerten Frage nur sagen, dass Tiere unserem Menschsein sehr behilflich sind, wenn man so sagen darf.

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Grauschnäpper fliegen hier auch viel ums Haus, süsse kleine Dinger, die oft mit Spatzen verwechselt werden… Allerdings sind die natürlich ruck zuck flügge, keine 3 Wochen und der Vogel ist schon erwachsen und allein überlebensfähig…

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  17. Rene
    Rene says:

    Ach, Wenn ich das so lese muss ich echt an meine Katze aus der Kindheit zurückdenken Und komme dabei sogar leichten schwärmen.
    Ich finde es gerade für Kinder wichtig, dass sie für den Umgang mit Haustieren lernen und dabei auch zum ersten Mal erfahren, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen.

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  18. Dennis
    Dennis says:

    Ob der Mensch einen tierischen Begleiter braucht, muss jeder für sich selbst beantworten. Ich persönlich könnt nicht ohne Tier. Ich habe meine Katze so lieb gewonnen und sehe sie auch alsFamilienmitglied. Tiere sind einfach toll.

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