Bettina Wulffs Buch auf dem Markt: «Jenseits des Protokolls»

Die verlorene Ehre der Bettina Wulff

Wozu Medien in der Lage sind und was es heisst systematisch von der Bildzeitung demontiert zu werden und übers Internet aufs übelste verleumded – das durfte Bettina Wulff an eigener Haut erleben. Ähnlich wie in dem Buch „die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll ist auch Bettina Wulff Opfer diverser Machenschaften der Medien auf die sie selbst weder Einfluss nehmen noch sich dagegen effektiv wehren konnte, im Gegenteil jeder Versuch die Dinge klarzustellen scheiterte bzw. schuf Stoff für noch weitere Hetzkampagnen. Allein die Tatsache, dass dem Bundespräsidenten und seiner Frau derart ans Bein gepinkelt wird und aus jeder noch so kleinen Sache ein riesen Medienrummel fabriziert wurde und man Bettina auch noch eine Vergangenheit als Edelprostituierte nachsagte – das lässt tief blicken und anscheinend kennen die Deutschen was Niveaulosigkeit und dreckige Fantasien angeht kein Halten.

Ich kenne Bettina persönlich von damals, als wir noch bei Cyberpark im Pelikanviertel in Hannover gearbeitet haben und sie die „Mieze vom Chef“ war. Ich studierte zu der Zeit Design für digitale Medien und arbeitete in der Agentur als Freie, zu der Zeit war noch der grosse Hype um die neuen Medien und alle Welt brauchte eine Webseite und CMS-Systeme gab es da noch nicht, alles wurde individuell „zu Fuss“ programmiert, gestaltet und konzipiert. Es gab damals also viel zu tun für angehende Designer und Medienwissenschaftler wie Bettina und mich und wir haben öfter zusammen gearbeitet. Sie war bei den normalen Kollegen ohne den direkten Draht zum Chef nicht unbedingt beliebt, mein Kollege hatte ihre durchdringende Stimme so ziemlich gehasst, sowie ihre besserwisserische Art. Ich selbst aber hatte ein ganz gutes Verhältnis zu ihr und Achim, dem Chef – die beiden habe ich sogar mal in meine kleine Studentenwohnung zum Dampfnudeln-Essen eingeladen. Wenn ich jetzt so denke, dass damals wohl keiner an dem Tisch ahnen konnte, dass Bettina mal derart aufsteigen würde muss ich schmunzeln, hey ich hatte die First Lady von Deutschland bei mir zu Gast. Ok das war vor unendlichen Zeiten als wir beide noch ganz jung, hübsch und voller Tatendrang waren… 😉

Bettina hatte damals schon ganz genau gewusst was sie wollte und wie sie dies erreichen konnte, sie machte auf mich immer den Eindruck der Luxusmaus, die Achim als Sprungbrett für ihre eigene Karriere nutzen wollte. Das dies wohl mehr nur Fassade wahr und sie weit weniger erfolgsorientiert war als sie ihre Umgebung hat glauben lassen erfuhr ich erst in ihrem Buch. Ich habe ihre aufrichtige, direkte und gerade Art sehr geschätzt, sie hat sich jedenfalls nie verstellt oder mit ihrer Meinung hinterm Berg gehalten und stand offen zu ihren Fehlern. Charakterzüge, die ich bei einem Menschen sehr schätze und die auf eine grosse innere Stärke schliessen lassen.

Als ich dann später, mittlerweile in Peru lebend von ihrem Aufstieg zur First Lady Deutschlands erfuhr war ich richtig stolz auf sie, bzw. darauf dass Deutschland es so gut gtroffen hatte mit ihr als Repräsentantin. Ich war überzeugt davon, dass sie den Job sehr gut machen würde und auch das Zeug und Know How dazu hatte. Darüber hinaus fragte ich mich jedoch wie sie das alles überhaupt schaffen will – ich bin selbst Mutter und weiss wieviel Raum und Zeit die Kinder benötigen und eine grosse Verantwortung für die Mutter bedeuten und dass sie nicht einfach ans Personal abgegeben werden können, jedenfalls nicht vollständig. Bettina dürfte schon vor der Wahl ihres Mannes mehr oder weniger alleinerziehend gewesen sein, diejenige die alles stemmen und organisieren musste was mit der Familie zusammen hängt und da ist der Spagat als Gattin des Bundespräsidenten sicher noch viel grösser. Aus der Ferne verfolgte ich sporadisch die Geschehnisse rund um das Präsidentenpaar und als die Gerüchte um Bettina als Edelnutte vermehrt im Netz auftauchten war ich fassungslos wie ungehobelt und niederträchtig doch das deutsche Volk seine eigene „Landesmutter“ in den Dreck zieht – noch dazu ohne jeglichen stichhaltigen Beweis! Pure Gerüchte, hochgekocht und mit der würzigen Sosse der eigenen Fantasien präsentierte so mancher Blogger seine Version des angeblichen Vorlebens der First Lady… Da wurde mir einfach nur übel und auch wenn ich nie direkt eine Freundin Bettinas war (dafür hatten wir zu wenig Berührungspunkte nachdem ich die Agentur gewechselt hatte), war ich ehrlich bestürzt und wütend über die Unverfrorenheit der Leute zu denen sich sogar einige namhafte Journalisten und Blätter gesellten und ich habe mir viel Gedanken darum gemacht wie es ihr wohl mit diesen ganzen Verleumdungen gehen musste. Ich schrieb in einigen Blogs eine Richtigstellung als Kommentar, den die meisten aber gar nicht erst veröffentlichten…

Ich verstand zu dem Zeitpunkt Bettinas Hilflosigkeit, wie sollte sie jemals die Leute plausibel vom Gegenteil überzeugen, wenn sich das schon so in deren Köpfen festgesetzt hatte? Das war eine regelrechte Hetzkampagne gegen eine Frau, die wohl niemanden etwas getan haben dürfte und außer der Frau eines bedeutenden Politikers zu sein. Sieht das denn keiner? Kann der Neid und die Missgunst so gross sein, dass es kein Halten mehr gibt? Auch die späteren Vorwürfe gegen ihren Mann fand ich ziemlcih an den Haaren herbeigezogen. Ich hätte ganz genauso gehandelt wie die Wulffs, ich hätte auch einen günstigen Privatkredit angenommen um mir mein Eigenheim zu finanzieren und ich wäre mir genauso wenig einer Schuld bewusst gewesen. Die ganze Affäre wurde von seiten der verhassten Bildzeitung dermassen überzogen dargestellt und auch wenn im Nachhinein vieles vor Gericht als gegenstandslos und unhaltbar richtig gestellt wurde brach es ihm politisch gesehen in dem Moment einfach das Genick. Wulff ist auch nur ein Mensch und zeigte sich im permantenen Kreuzfeuer der Medien im entscheidenden Augenblick als zu emotional. Das war sein Fehler, mehr nicht und es hat ausgereicht um den Medien das Futter für die ganz grosse Hetzkampagne zu liefern, die dann für ihn das Aus bedeutete.

Was mir an dieser Stelle zu denken gibt ist – wie weit haben die Medien nun Einfluss auf die Politik und ist dieser dem Lande wirklich dienlich? Pressefreiheit hin oder her, es gibt auch Grenzen, ethisch sowie moralisch, es sollte verboten sein Personen des öffentlichen Lebens derart zu demontieren. Diese ganze Affäre hätte nicht in den Medien breitgetreten sondern hinter geschlossenen Türen zwischen denen ausgetragen und geklärt werden müssen, die es tatsächlich was angeht.

Als ich dann gelesen habe, dass Bettina zum Gegenschlag ausholte und diverse Blogger, Blätter und sogar Jauch und google verklagte, das fand ich richtig gut und noch besser war es zeitgleich ihr Buch Jenseits des Protokolls zu präsentieren – ein wirklich gekonnte PR-Massnahme. Ich hoffe es hat ihr ordentlich Geld gebracht und dass es all die sensationslüsternen, niederträchtigen Verleumder gekauft haben, die ihr das Leben bisher so schwer gemacht haben…! Wohl verdientes Schmerzensgeld sage ich dazu nur. Und deswegen Hut ab, Bettina! Mach weiter so, für mich bist Du eindeutig eine Heldin unserer Zeit

Ihr Buch ist entgegen all der schlechten Bewertungen bei amazon wirklich lesenswert und es vermittelt einen kleinen Eindruck davon, wie hart das Leben für sie als First Lady Deutschlands gewesen sein muss. Mich hat auch wirklich erstaunt wie wenig Hilfe sie in dieser Zeit bekommen hatte und wieviel von ihr im Gegenzug verlangt und von ihr erwartet wurde. Auch dass sie als Präsidentengattin kein Gehalt bekam finde ich sehr merkwürdig, das ist ein anstrengender mehr als 40 Stunden Job an der Spitze Deutschlands und dann ohne Bezahlung? Zwei Leute haben ihr zugearbeitet und dafür einen Lohn erhalten, sie hatte ein eigenes Büro und alles – aber kein eigenes Geld? Also ehrlich wie chauvinistisch ist das denn? Also ich hätte mich dem verweigert und gesagt, wenn ihr mir nichts bezahlen wollt, dann mache ich auch den Job nicht…!! 😉

9 Antworten
    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Ja ich habe lange, lange mit mir gerungen etwas darüber zu schreiben aber nachdem ich die ganzen Kommentare auf amazon gelesen habe konnte ich nicht anders… Allein der Vorwurf, dass sie sich wieder in die Öffentlichkeit dränge ist gemein – sie hat sich diese mediale Schlacht damals sicher nicht gewünscht, noch gesucht – sie wurde brutal und gegen ihren Willen ins Rampenlicht gezerrt und demontiert. Der Schritt jetzt selbst und wohlüberlegt in den Medien zu erscheinen ist nur legitim und entspricht dem nachvollziehbaren Wunsch nach Gerechtigkeit und das hat nichts mit Geltungssucht zu tun! Man sollte sehr viel Skepsis haben wenn jemand öffentlich derart durch den Schmutz gezogen wird – oftmals steckt da nur der Eigenutz der Medien dahinter – Auflage machen die eben eher mit haarsträubenden Skandalen als mit der biederen Wahrheit… Es ist immer einfach jemanden zu denunzieren und die üble Nachrede im Internet ist gefährlich, niveaulos und extrem rufschädigend! Deswegen habe ich diese Gegendarstellung geschrieben, denn Bettina Wulff hat dies alles ganz sicher nicht verdient!

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  1. Ralf
    Ralf says:

    Ich finde auch, dass man dem Paar mehr zugesetzt hat, als es nötig gewesen wäre. Es gibt andere Figuren in der Politik und Wirtschaft, die der Öffentlichkeit wirklich geschadet haben, ohne dass es bei denen zu einem derartigen Aufschrei gekommen wäre. Was allerdings an diesem Fall auffällig ist, ist das deutliche Fehlen von Professionalität, was gerade bei Frau Wulff merkwürdig ist. Immerhin soll sie doch PR-Fachfrau sein.

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  2. Peter Heck
    Peter Heck says:

    Ich muss ja sagen, dass es mich immer wieder wundert, dass Menschen so unglaublich viel Wert auf die Meinung ihrer Umwelt legen. Weiterhin ist es mir ebenso unbegreiflich, dass gleich alle bei sowas aufschreien. Selbst wenn sie mal Prostituierte war – was tut das zur Sache? Das Hauptproblem sind unsere ach so wundervoll etablierten Medien welche eine schnelle Story suchen um die (dummen) Menschen mit Dingen zu unterhalten. Das ist keine Berichterstattung sondern hat einen ähnlichen Informationsgehalt wie GZSZ und Co. Genauso daneben ist es ein Buch darüber zu schreiben und in diesem 10 geschlagene Seiten über ein Tattoo zu schreiben nur um sich zu rechtfertigen.

    so long
    LG Peter

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  3. Horst Laubert
    Horst Laubert says:

    Zum Denken regt dieser Artikel an – aber welche Schlüsse ziehen Sie denn nun daraus?

    Wie genau muss reagiert werden. Sie reihen sich ein in die Riege all jener, die kritisieren – aber eben auch keinen konstruktiven Gegenvorschlag verfassen.

    Ein bloßer Eindruck ist lange kein Argument. Sie vertrauen Frau Wulff. Das mag wohl das richtige sein. Das tue ich auch. Aber warum?

    Woher wissen Sie es zu 100%?

    Sie mutmaßen ebenso wie die Presse mit ihren Artikeln.

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    • Divena Smought
      Divena Smought says:

      Woher weiss ich was? Dass es Bettina Wulff nicht leicht hatte in ihrer Zeit als First Lady? Oder ob sie mal eine Prostituierte war? Also letzteres ist wirklich frei erfunden und das weiss ich tatsächlich zu 100 Prozent. Aber das meinten Sie wohl auch nicht oder? Hoffe ich zumindest. Auch kritisiere ich Bettina nicht und ich verstehe Ihren Vorwurf auch nicht ganz – in Bezug auf was soll ich denn einen Gegenvorschlag verfassen?

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      • Simon
        Simon says:

        Ich nehme an der Kommentar bezieht sich auf einen Vorschlag wie sich Bettina Wulf oder jeder andere in einer solchen Situation verhalten sollte.
        Und ich denke darauf gibt es keine Antwort. Die Medien sind nunmal mordlustige, erfolgsgeile Hyänen.
        Leider..
        ..leider gibt es immer wengier Nachrichten im Sinn von Nachrichten, die das Weltgeschehen oder wenigstens das nationale Geschehen wiederspiegeln. Es wird alles gedreht und gewendet, ausgelegt und drauf rumgepickt so wie es die breite Masse gerade will.
        Und woran liegts? An der allgemeinem Verblödung!

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  4. Petra
    Petra says:

    Naja, ich habe mich schon sehr geschämt, dass Dtld von Leuten repräsentiert wird, die so gierig und dumm erscheinen wie das Paar Wulff. Du schreibst, du hättest auch den Kredit akzeptiert – ich finde, auf dieser Position muss man schlauer sein, als sich mit der Sorte Leuten zu befreunden, wie es die Wulffs getan haben und man muss man unangreifbar handeln. Ich war froh, als er die richtige Konsequenz zog.
    Dass sie als E. gearbeitet hat, habe ich nicht geglaubt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihre Zeit als Präsidentenfrau richtig hart war, aber die beiden haben versucht, so viel Gewinn wie möglich draus zu ziehen – sehr unsympathisch! Und mit dem Buch hat sie sich keinen Gefallen getan. Grüße, Petra

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  5. Michelle
    Michelle says:

    Wie erwartet ist das Buch wohl kein großer Renner geworden. Wäre ja auch noch schöner, den Selbstdarstellungsdrang dieser Dame noch mit großen Verkaufszahlen zu fördern.

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