Die hohe Kunst der Kalt-Akquise per Email

Wie wohl so ziemlich jeder von uns erhalte auch ich jeden Tag diverse Angebote verschiedenster Dienstleister, in der Regel wandern die schon automatisch in die Tonne, aber heute habe ich mir mal die Mühe gemacht einer solchen Firma, die mir in Bezug auf eine sehr gut gelistete Kundenwebseite ein SEO-Angebot machen wollte, tatsächlich zu antworten.

Heutzutage ist es nicht einfach bis nahezu unmöglich neue Kunden zu generieren indem man sie einfach per Email anschreibt, noch dazu mit einer anonymen Standardemail. Besonders nicht in Deutschland, die deutschen Kunden sind in der Regel sehr gut informiert, nicht doof und größtenteils sogenannte introvertierte Kunden, sie springen also nicht auf überzogene Versprechen an und durchschauen sämtliche Werbetaktiken (Zeitdruck, Limitation etc.). Was zählt ist also echte Substanz und ein konkretes, auf den potentiellen Kunden individuell zugeschnittenes und nicht überzogenes Angebot!

Worauf man achten sollte, wenn man schon potentielle Kunden kontaktiert (wovon ich allerdings grundsätzlich ganz abraten würde) habe ich hier in einer Antwort an diese Firma mal in Kurzform genannt:

Hallo Team von Web-Optimierung,

vielen Dank für ihr „freundliches“ Anschreiben.

Tatsächlich erzielt meine Seite zu den relevanten Suchwörtern sehr gute Plätze in Google (2-5). Außerdem wurde die Seite hinreichend optimiert und hat sehr viele Backlinks und einen PR 4.

Überzeugen Sie mich aber gern vom Gegenteil und nennen mir drei Dinge, die Sie an meiner Webseite konkret ändern würden um noch bessere Ergebnisse zu erzielen…

Hier nenne ich Ihnen nun im Gegenzug 4 Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie schon irgendwelchen Leuten solche Werbeemails schreiben:

1. Persönliche Anrede mit Namen (sehr wichtig, sonst wird Ihre Emails sofort als Standart Baustein erkannt und weggelöscht, die Leute wissen sehr gut Bescheid über Standarisierungen).

2. Direkt Bezug nehmen auf die Webseite um die es geht und dabei nicht oberlehrerhaft die Arbeit anderer schlecht machen (die meisten Kunden identifizieren sich sehr mit ihrem Webauftritt und begreifen Kritik daran als persönliche Kritik an sich selbst – also ist es schon mal kein guter Einstieg von schwerwiegenden Fehlern zu schreiben um ins Geschäft zu kommen…).

3. Konkretes Angebot unterbreiten, dass unwiderstehlich ist und möglichst geringe Risiken birgt (z.B. wir garantieren Ihnen eine Top 5 Position für das Schlüsselwort X innerhalb von 3 Monaten zu einem Preis von Y, ansonsten Geld zurück etc.)

3. Mit Namen unterschreiben – ein anonymes XY-Team wird eher ignoriert und stellt keinen persönlichen Bezug her, man fragt sich wem soll ich denn hier eigentlich zurück schreiben? Ihre Call to Aktion am Ende ist schon ganz gut, aber auf eine Email reagiert der Nutzer eher mit einer Email als Antwort und das Medium zu wechseln, also extra einen Browser zu öffnen und auf die Webseite zu surfen, bedeutet hier den Kontakt zum potentiellen Kunden eher zu verlieren als zu gewinnen. Es sollte besser ein konkreter Anreiz gegeben werden Ihnen direkt zu antworten (z.B. ein unwiderstehliches Angebot) um den persönlichen Kontakt zu Ihnen herzustellen und dazu bedarf es wesentlich mehr „echter“ Substanz in Ihrer Email, also ein Text, der sich auch tatsächlich auf die Webseite des Angeschriebenen bezieht!

Soviel zur hohen Kunst der Kaltakquise…

Ihnen sollte dazu auch bewusst sein, dass ungefragt verschickte Werbe-Emails nach deutschem Recht verboten sind und mit ziemlich hohen Geldstrafen geahndet werden!

Ich warte mit Spannung auf Ihre Antwort.

MfG,
Divena Smought

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Hier die Werbeemail im Original:

Am 20.11.2012 um 06:56 schrieb Web – Optimierung:

Guten Tag, wir haben bemerkt, dass Ihre Internetseite in Google nicht gut sichtbar ist. Das kann zur Folge haben,
dass Ihre Kunden Sie nicht auffinden können. Falls  Sie das ändern möchten, bieten wir Ihnen die Optimierung Ihrer Webseite an.

Die Optimierung der Internestseite bringt sehr schnelle und langhaltige Ergebnisse ohne zusätzliche Monatsgebühren!

Auf Ihrer Webseite haben wir ziemlich schwerwiegende Optimierungsfehler sowohl im Code der Seite als auch in ihrem Inhalt gefunden.
Das ist der Hauptgrund für die niedrige Position Ihrer Webseite in den Suchmaschienen.

Dank den von uns vorzunehmenden Änderungen wird Ihre Webseite die Top-Ten-Position in Google erreichen.

Wir laden Sie auf unsere Webseite ein.
(ich will hier nun icht noch Werbung machen für die, daher nenne ich die URL hier nicht…)

Mein Blog wurde wieder gehackt…

Nur zur kurz zur Info, ich habe nicht aufgehört zu schreiben oder diesen Blog zu betreiben sondern rosa.pe wurde wieder mal gehackt. Diesmal wurde gleich alles gelöscht und es dauerte eine Weile bis ich das wieder rekonstruiert hatte ohne das zu viel verloren ging. Ich habe sämtliche Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigt und trotzdem taucht dieses Problem nun immer häufiger auf.

Ich verstehe auch nicht was der Sinn des Ganzen sein soll, warum macht sich jemand überhaupt die Mühe sich auf meinen Server zu hacken, ganz offensichtliche Malware-Dateien zu installieren und noch dazu die Hälfte zu löschen?? Also ehrlich, das erschließt sich mir absolut nicht…

Also lieber Hacker – falls Du dies hier lesen: bitte hör damit auf, bringt doch eh nichts ausser mir Zeit und Nerven zu kosten und meine Kunden zu verärgern… :/

Falls jemand einen guten Tipp hat, wie ich dieses Problem dauerhaft beseitigen kann – also ich bin ganz Ohr …

Nachtrag:

Also jetzt habe ich wirklich so ziemlich alles auf meinem Server gelöscht, was nur ging. Irgendwie hat sich jemand direkt auf meinen Server gehackt. das ganze nun schon zum 6. Mal! Langsam bin ich echt entnervt… Habe eine Sicherheitsfirma mit der permanenten Überwachung beauftragt, das kostet mich jetzt schlappe $30,- pro Domain und Monat… Danke auch.

Bettina Wulffs Buch auf dem Markt: «Jenseits des Protokolls»

Die verlorene Ehre der Bettina Wulff

Wozu Medien in der Lage sind und was es heisst systematisch von der Bildzeitung demontiert zu werden und übers Internet aufs übelste verleumded – das durfte Bettina Wulff an eigener Haut erleben. Ähnlich wie in dem Buch „die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll ist auch Bettina Wulff Opfer diverser Machenschaften der Medien auf die sie selbst weder Einfluss nehmen noch sich dagegen effektiv wehren konnte, im Gegenteil jeder Versuch die Dinge klarzustellen scheiterte bzw. schuf Stoff für noch weitere Hetzkampagnen. Allein die Tatsache, dass dem Bundespräsidenten und seiner Frau derart ans Bein gepinkelt wird und aus jeder noch so kleinen Sache ein riesen Medienrummel fabriziert wurde und man Bettina auch noch eine Vergangenheit als Edelprostituierte nachsagte – das lässt tief blicken und anscheinend kennen die Deutschen was Niveaulosigkeit und dreckige Fantasien angeht kein Halten.

Ich kenne Bettina persönlich von damals, als wir noch bei Cyberpark im Pelikanviertel in Hannover gearbeitet haben und sie die „Mieze vom Chef“ war. Ich studierte zu der Zeit Design für digitale Medien und arbeitete in der Agentur als Freie, zu der Zeit war noch der grosse Hype um die neuen Medien und alle Welt brauchte eine Webseite und CMS-Systeme gab es da noch nicht, alles wurde individuell „zu Fuss“ programmiert, gestaltet und konzipiert. Es gab damals also viel zu tun für angehende Designer und Medienwissenschaftler wie Bettina und mich und wir haben öfter zusammen gearbeitet. Sie war bei den normalen Kollegen ohne den direkten Draht zum Chef nicht unbedingt beliebt, mein Kollege hatte ihre durchdringende Stimme so ziemlich gehasst, sowie ihre besserwisserische Art. Ich selbst aber hatte ein ganz gutes Verhältnis zu ihr und Achim, dem Chef – die beiden habe ich sogar mal in meine kleine Studentenwohnung zum Dampfnudeln-Essen eingeladen. Wenn ich jetzt so denke, dass damals wohl keiner an dem Tisch ahnen konnte, dass Bettina mal derart aufsteigen würde muss ich schmunzeln, hey ich hatte die First Lady von Deutschland bei mir zu Gast. Ok das war vor unendlichen Zeiten als wir beide noch ganz jung, hübsch und voller Tatendrang waren… 😉

Bettina hatte damals schon ganz genau gewusst was sie wollte und wie sie dies erreichen konnte, sie machte auf mich immer den Eindruck der Luxusmaus, die Achim als Sprungbrett für ihre eigene Karriere nutzen wollte. Das dies wohl mehr nur Fassade wahr und sie weit weniger erfolgsorientiert war als sie ihre Umgebung hat glauben lassen erfuhr ich erst in ihrem Buch. Ich habe ihre aufrichtige, direkte und gerade Art sehr geschätzt, sie hat sich jedenfalls nie verstellt oder mit ihrer Meinung hinterm Berg gehalten und stand offen zu ihren Fehlern. Charakterzüge, die ich bei einem Menschen sehr schätze und die auf eine grosse innere Stärke schliessen lassen.

Als ich dann später, mittlerweile in Peru lebend von ihrem Aufstieg zur First Lady Deutschlands erfuhr war ich richtig stolz auf sie, bzw. darauf dass Deutschland es so gut gtroffen hatte mit ihr als Repräsentantin. Ich war überzeugt davon, dass sie den Job sehr gut machen würde und auch das Zeug und Know How dazu hatte. Darüber hinaus fragte ich mich jedoch wie sie das alles überhaupt schaffen will – ich bin selbst Mutter und weiss wieviel Raum und Zeit die Kinder benötigen und eine grosse Verantwortung für die Mutter bedeuten und dass sie nicht einfach ans Personal abgegeben werden können, jedenfalls nicht vollständig. Bettina dürfte schon vor der Wahl ihres Mannes mehr oder weniger alleinerziehend gewesen sein, diejenige die alles stemmen und organisieren musste was mit der Familie zusammen hängt und da ist der Spagat als Gattin des Bundespräsidenten sicher noch viel grösser. Aus der Ferne verfolgte ich sporadisch die Geschehnisse rund um das Präsidentenpaar und als die Gerüchte um Bettina als Edelnutte vermehrt im Netz auftauchten war ich fassungslos wie ungehobelt und niederträchtig doch das deutsche Volk seine eigene „Landesmutter“ in den Dreck zieht – noch dazu ohne jeglichen stichhaltigen Beweis! Pure Gerüchte, hochgekocht und mit der würzigen Sosse der eigenen Fantasien präsentierte so mancher Blogger seine Version des angeblichen Vorlebens der First Lady… Da wurde mir einfach nur übel und auch wenn ich nie direkt eine Freundin Bettinas war (dafür hatten wir zu wenig Berührungspunkte nachdem ich die Agentur gewechselt hatte), war ich ehrlich bestürzt und wütend über die Unverfrorenheit der Leute zu denen sich sogar einige namhafte Journalisten und Blätter gesellten und ich habe mir viel Gedanken darum gemacht wie es ihr wohl mit diesen ganzen Verleumdungen gehen musste. Ich schrieb in einigen Blogs eine Richtigstellung als Kommentar, den die meisten aber gar nicht erst veröffentlichten…

Ich verstand zu dem Zeitpunkt Bettinas Hilflosigkeit, wie sollte sie jemals die Leute plausibel vom Gegenteil überzeugen, wenn sich das schon so in deren Köpfen festgesetzt hatte? Das war eine regelrechte Hetzkampagne gegen eine Frau, die wohl niemanden etwas getan haben dürfte und außer der Frau eines bedeutenden Politikers zu sein. Sieht das denn keiner? Kann der Neid und die Missgunst so gross sein, dass es kein Halten mehr gibt? Auch die späteren Vorwürfe gegen ihren Mann fand ich ziemlcih an den Haaren herbeigezogen. Ich hätte ganz genauso gehandelt wie die Wulffs, ich hätte auch einen günstigen Privatkredit angenommen um mir mein Eigenheim zu finanzieren und ich wäre mir genauso wenig einer Schuld bewusst gewesen. Die ganze Affäre wurde von seiten der verhassten Bildzeitung dermassen überzogen dargestellt und auch wenn im Nachhinein vieles vor Gericht als gegenstandslos und unhaltbar richtig gestellt wurde brach es ihm politisch gesehen in dem Moment einfach das Genick. Wulff ist auch nur ein Mensch und zeigte sich im permantenen Kreuzfeuer der Medien im entscheidenden Augenblick als zu emotional. Das war sein Fehler, mehr nicht und es hat ausgereicht um den Medien das Futter für die ganz grosse Hetzkampagne zu liefern, die dann für ihn das Aus bedeutete.

Was mir an dieser Stelle zu denken gibt ist – wie weit haben die Medien nun Einfluss auf die Politik und ist dieser dem Lande wirklich dienlich? Pressefreiheit hin oder her, es gibt auch Grenzen, ethisch sowie moralisch, es sollte verboten sein Personen des öffentlichen Lebens derart zu demontieren. Diese ganze Affäre hätte nicht in den Medien breitgetreten sondern hinter geschlossenen Türen zwischen denen ausgetragen und geklärt werden müssen, die es tatsächlich was angeht.

Als ich dann gelesen habe, dass Bettina zum Gegenschlag ausholte und diverse Blogger, Blätter und sogar Jauch und google verklagte, das fand ich richtig gut und noch besser war es zeitgleich ihr Buch Jenseits des Protokolls zu präsentieren – ein wirklich gekonnte PR-Massnahme. Ich hoffe es hat ihr ordentlich Geld gebracht und dass es all die sensationslüsternen, niederträchtigen Verleumder gekauft haben, die ihr das Leben bisher so schwer gemacht haben…! Wohl verdientes Schmerzensgeld sage ich dazu nur. Und deswegen Hut ab, Bettina! Mach weiter so, für mich bist Du eindeutig eine Heldin unserer Zeit

Ihr Buch ist entgegen all der schlechten Bewertungen bei amazon wirklich lesenswert und es vermittelt einen kleinen Eindruck davon, wie hart das Leben für sie als First Lady Deutschlands gewesen sein muss. Mich hat auch wirklich erstaunt wie wenig Hilfe sie in dieser Zeit bekommen hatte und wieviel von ihr im Gegenzug verlangt und von ihr erwartet wurde. Auch dass sie als Präsidentengattin kein Gehalt bekam finde ich sehr merkwürdig, das ist ein anstrengender mehr als 40 Stunden Job an der Spitze Deutschlands und dann ohne Bezahlung? Zwei Leute haben ihr zugearbeitet und dafür einen Lohn erhalten, sie hatte ein eigenes Büro und alles – aber kein eigenes Geld? Also ehrlich wie chauvinistisch ist das denn? Also ich hätte mich dem verweigert und gesagt, wenn ihr mir nichts bezahlen wollt, dann mache ich auch den Job nicht…!! 😉

Aussteigerin aus Versehen

Buchtipp: Die im Wald lebt, eine Aussteigerin aus Versehen

Aussteigerin aus Versehen

Vor einiger Zeit bin ich im Kindle shop von Amazon auf ein Kindl-E-Book mit dem seltsamen Titel Aussteigerin aus Versehen gestossen und hatte es mir ohne lange zu überlegen gleich herunter geladen. Es gibt nicht viele, die es wagen aus der Norm der gesellschaftlichen Zwänge auszubrechen und etwas ganz Eigenes zu wagen, fernab von dem was den allgemeinen Konventionen entsprechen würde. Zu solchen Leuten habe ich mich schon immer hingezogen und teilweise zugehörig gefühlt und umso neugieriger war ich bei diesem Titel wer wohl dahinter stecken mag und ob meine Vermutung auf jemand interessantes zu stossen sich auch bewahrheiten würde.

Und richtig – Heike Langenkamp ist so jemand, eine Frau um die 50, die aus einer rein wirtschaftlichen Überlegung heraus einfach allein in ein vormals als Wochenendhäusschen genutztes Haus zu ziehen. Wobei – so ganz allein ist sie da eigentlich nicht, denn es begleiten Sie diverse Hühner, Wachteln, Katzen und Hunde durch ihren alltag und wie verschieden diese Tierpersönlichkeiten sein können beschreibt sie unter anderem auch in ihrem Buch. Was aber interessanter ist: sie gibt Anworten auf Fragen wie sie als Ausstegerin mitten in Deutschland lebt, warum sie die „normale Welt“ gar nicht mehr vermisst und sich selbst vollkommen genug ist, warum die einzige Nachbarin sie nur mehr nervt und degleichen mher. Dies erläutert sie in ihrem Buch mit einem frischen Schreibstil und viel Humor, ich habe beim lesen selten so viel geschmunzelt. 😉

Heike ist nicht eine von diesen verträumten Idealisten oder „Ökofutzies“, noch ein übrig gebliebener Althippie, nein sie ist eine scharf denkende, interlektuelle Frau, eine Infomatikerin, die selbständig vom PC aus arbeitet und sich draussen im Wald ihre ganz eigene Welt erschaffen hat. Sie hat auch einen tollen Blog in dem sie fast täglich Neuigkeiten aus dem Wald berichtet: http://www.dieimwaldlebt.de.

Ich kann ihr Buch nur wärmstens empfehlen! Zu kaufen über amazon.de Aussteigerin aus Versehen

Auch als „echtes“ Taschenbuch ist es sehr hübsch, ich habe es auf einer kleinen Verlosung in Heikes Blog gewonnen und es hat nun ein kleines Ehrenplätzchen in meinem Regal gefunden, Vielen Dank nochmals, liebe Heike!

Von der Inspiration der Langeweile

„Mir ist langweilig!“ maulte meine achtjährige Tochter als wir in einem Patientenwartezimmer schon viel zu lange auf die Behandlung warten mussten. „Kann ich Dein Handy?“ war die nächste Frage (auf meinem Handy sind diverse Spielchen geladen) aber ich antwortete spontan „nein, Du kannst auch mal Langeweile haben! Als ich so klein war wie Du hatten wir sowas alles noch nicht und mir öfter mal langweilig und ich bin nicht dran gestorben…!“ Ein Stöhnen und „Ooch Mama!“ war darauf die Reaktion. Dieser kurze, zugegebenermassen nicht sonderlich geistreiche Dialog brachte mich allerdings zu tieferem Nachdenken (und noch mehr Langeweile für meine Tochter).

Die Auswirkungen der digitalen Dauerbeschäftigung

In Zeiten voranschreitender digitaler Demenz, wie Manfred Spitzler (dt. Gehirnforscher) überspitzt formuliert ist die Langeweile rar, die ständigen Beschäftigungsmöglichkeiten sind dank Smartphones, Nintendo, Spielekonsolen, Fernseher, Radio und Computer praktisch immer und überall gegeben. Da muss man kein Gehirnforscher sein um zu vermuten, dass dies auf Dauer nicht unbedingt die positivsten Auswirkungen auf das Gehirn haben kann.
Aber ich denke da vor allem an einen Zustand, den die digitalen Möglichkeiten fast vollständig ausgemerzt haben – die klassische Langeweile – ich glaube, dass regelmässige (und auch mal exessive) Langeweile paradoxerweise sehr isnpirirend sein kann und allgemein die Kreativität fördert. Nicht umsonst sind meine tollsten Ideen an so langweiligen Orten wie z.B. auf dem Klo oder in der Strassenbahn entstanden und ein erzwungener, nicht zielgerichteter geistiger Leerlauf ist ein wichtiger Bestandteil des kreativen Denkprozesses.
Eine Kreation im weiteren Sinne ist die Lösungsfindung für eine ganz bestimmte Aufgabenstellung, d.h. der kreative Prozess kann dafür je nach Schwierigkeitsgrad sehr vielschichtig und umfassend sein und traditionellerweise mit vielen Lösungsansätzen einher gehen und mit denen man im Geiste sozusagen „schwanger geht“. In Momenten der Langeweile oder solchen in denen man innerlich abschaltet (z.B. beim Musik höhren, bei einem langweiligen Vortrag oder dem Besuch der Schwiegereltern) beginnt der Verstand unterbewusst zu arbeiten und durchläuft ohne störenden Stress die verschiedenen Lösungsansätze und vereint Unkonventionelles spielerisch miteinander. Das Resultat ist dann oftmals eine plötzliche zündende Idee oder die langgesuchte Lösung für irgendetwas. Das bedeutet, dass der als Langeweile empfundene Zustand den Geist tatsächlich unterbewusst zu Hochtouren auflaufen lässt.

Kinder die Langeweile haben

Eindrucksvoller veranschaulichen Kinder, die man unbarmherzig echter Langeweile aussetzt deren inspirierende Wirkung – schon nach kurzer Zeit beginnen sie erfinderisch zu werden und legen eine grosse Kreativität an den Tag wie sie diesen unbefriedigenden Zustand möglichst schnell beenden können. Meine Tochter fängt dann oft an zu singen, sie läuft herum und erkunded alles, bastelt aus dem Vorhandenen (z.B. Werbeflyer) kleine Figürchen zum Spielen oder denkt sich Geschichten aus oder wenn ich dabei bin mir über alles und jedes Löcher in den Bauch zu fragen. Ich reglementierte bisher mehr aus einem intuitiven Empfinden heraus denn aus gründlicher Reflexion die gigitalen Zerstreuungsmöglichkeiten meiner Tochter. Nintendo, Smartphone und dergleichen hat sie nicht und wenn sie meines haben will muss sie dafür ein paar Aufgaben erfüllen (z.B. ihr Zimmer aufräumen) und Fernsehen ist höchstens mal abends maximal eine Stunde erlaubt. Das Resultat ist, dass sie gelernt hat sich selbständig zu beschäftigen und die Langeweile auch mal auszuhalten und sich tatsächlich dann auch gar nicht mehr so sehr zu langweilen. Viele tolle Basteleien und Bilder sind gerade dann entstanden wenn es besonders langweilig für sie war (z.B. im Restaurant).
Daher denke ich ist die Langeweile eine gute Inspiration und Herausforderung gerade auch für Kinder.

Probieren Sie es selbst einfach mal aus – tun Sie eine Zeit lang gar nichts und langweilen Sie sich ausgiebig! Besonders empfehlenswert genau dann, wenn Sie bei einer bestimmten Aufgabenstellung/Sache gedanklich einfach nicht weiter kommen, bzw. sich im Kreis drehen…