Beiträge

Erfolg.com – meine Erfahrungen mit Dr. Potts neuem Abo-Projekt

Da ich neben den vielen U.S. Internetmarketern auch ein paar der wichtigsten deutschen immer im Auge habe und in deren Verteiler vertreten bin, habe ich natürlich auch den grossen Erfolg.com Launch mitbekommen. Nicht nur die Top-Domain versprach Gutes, auch habe ich schon des längeren überlegt ob es sich vielleicht lohnt mal in eines der sagenumwobenen Produkte des ominösen Dr. Pott zu investieren. Und siehe da er hat ein Testabo für 1,- € angeboten und lockte mit einer kostenfreien Version seines „Deltasprung-Paketes“, dass schon zu einem frühren Zeitpunkt meine Neugier geweckt hatte. Also habe ich nicht lange gefackelt und das Ding abonniert, sehr neugierig auf die so hoch gepriesenen Inhalte…

Gemessen an das amerikanische Niveau bewegt sich der gute Dr. Pott noch irgendwo im Internet-Mittelalter. Die Benutzerführung der Abonnenten läuft über einen Drittanbieter  (www.element5.com) aus den USA, es gibt also nicht mal eine richtige Membership-Seite. Ich will nicht wissen wieviel der Dr. Pott für die Domain gezahlt hat –  warum spart er dann so knauserig am Projekt selbst? Mir ein absolutes Rätsel…

Das zum sofortigen Download bereit stehende Videopaket war eine trübe Enttäuschung, die umgehend in meinen Papierkorb wanderte um den riesigen Datenmüll der viel zu grossen Videodateien im .wmv Format (das das heutzutage noch einer benutzt…) von meiner Festplatte zu säubern. Es handelte sich um Videos von Interviews in denen sich Leute aus der deutschen IM Szene wie Helmut Ahmet, Bodo Schäfer, Erich Lejeune etc. in einem schicken Schlossambiente selbst beweihräuchern und grösstenteils belanglose Allgemeinplätze von sich geben nur um dann am Ende auf ihre ach so tollen Infoprodukte hinzuweisen. Also im Westen nichts Neues.

Dazu gab es noch einen Mitschnitt von einem Seminarvortrag eines Österreichers, der für sich beanspruchte sofort zu wissen wie jemand tickt indem er die Menschheit in 3 grobeKategorien unterteilte und diese zur Übersicht auch noch drei Farben zuordnete (rot=Machtmensch, blau=Denker und Planer, grün=Gefühlsmensch) – alo ich bin keine Psychologin, aber das ist doch arg stereotyp und sehr naiv – ich kann es wirklich nicht fassen, dass der Mann sich auf diese Weise anscheinend einen Namen gemacht hat (welcher mir leider sofort wieder entfallen ist) und auf hochkarätigen Seminaren doziert… Nach dem Motto dreist kommt weiter? Ok das war dann auch so ziemlich die einzige Lektion, die ich dem Ganzen entnehmen konnte…

Der versprochene Deltasprung war erstmal nicht mit dabei, was mich dazu veranlasste eine empörte Mail an den Support zu schreiben, erstaunlicherweise wurde diese sogar beantwortet und man teilte mir mit ich müsse nur Geduld haben, die angepriesenen Inhalte würden nach und nach eingestellt werden.

Somit schob ich den Plan das Abo sofort wieder zu kündigen erstmal auf und wartete auf das versprochene Highlight.

Es folgten dann fast täglich seltsame Emails von einer Anna Reber (wer zum Teufel ist das?) mit Titeln wie:

Gesundheits-Coaching: So kommen Sie gut gelaunt durch das Leben

Motivations-Coaching: Wie Sie Ihre Aufgaben perfekt managen

Erfolgs-Coaching: So definieren Sie Ihre Ziele richtig

und so weiter

Offenbar denkt die Dame, dass die Abonnenten von erfolg.com allesamt unterbelichtete Stümper sind, denen man die einfachsten Dinge häppchenweise näher bringen muss… Dies nicht als Beleidigung aufzufassen fällt mir schwer.

Ein paar Tage später stand endlich das sagenumwobene Deltasprung-Video zum download bereit und präsentierte Teil 1 der sonst immerhin für rund 200,-€ verkauften DVD.
In dem Video tritt Herr Dr. Pott (was für einen Doktor hat er eigentlich?) höchstselbst in Erscheinung und trägt einem kleinen, handverlesenem Publikum seine bahnbrechende Deltasprung Theorie vor. Es geht darum was eine erfolgreiche Webseite von einer erfolglosen unterscheidet und welches die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind. Mein lieber Dr. Pott, wir alles wissen, dass neben einem guten Konzept und einem stimmigen Webauftritt mit hochwertigen Content vor allem die Besucherzahlen und die Möglichkeit die Abwicklung auf Autopilot zu setzen entscheidend sind. Doch das eigentlich Wichtige – wie eben dies zu erreichen ist weiss Herr Pott seinem Publikum allerdings nicht näher zu bringen… Soviel zu seiner offensichtlich perfektionierten Kunst aus Scheisse Geld zu machen (man verzeihe mir den unflätigen Ausdruck)

Später folgte dann noch die Einladung zu einem „exklusiven“ Seminar in dem es um Abo-Projekte gehen soll, Werbe-Zitat dazu:

„die Wahrheit ist: Ihr eigenes Abo-Projekt ist das Beste aller Geschäftsmodelle, denn es schafft Ihnen persönlich große finanzielle Freiheit und ein passives Dauereinkommen. Wenn Sie nur 300 Abo-Kunden gewinnen, die Ihnen monatlich 39,00 € für Ihr Abonnement zahlen, dann sind das 11.700 € für Sie als „Fixgehalt“ pro Monat. Nur 300 Kunden genügen für Ihre finanzielle Freiheit!“

Ah das klingt doch sehr nach dem lang erträumten, schnellen, einfachen Geld – oder? Als IM-Profi kann ich dazu nur ein paar grundsätzliche Dinge anmerken:

Erstens – die Abonennten müssen regelmässig mit hochwertigen Content gefüttet werden, dies erfordert neben dem Einsatz und der ganzen Arbeit vor allem auch ein Thema, das möglichst ein breites (oder ein kleines, sehr gut zahlendes) Publikum anspricht und inhaltlich so viel hergibt, dass sich eine kontinuierliche Erscheinungsweise lohnt (die meisten Themen sind recht schnell abgehandelt und es würde zwangsläufig zu Wiederholungen kommen).

Zweitens – ein Rechenbeispiel: um 300 Abo-Kunden zu bekommen muss ich bei einer durchschnittlichen Erfolgsrate von 3% (was schon sehr optimistisch ist, eher wahrscheinlich sind 1%) mindestens 10.000 hochgradig targetierte Besucher auf meine Seite locken. Das genau ist die Crux – wie erreicht man diese Besucherquote möglichst schnell?

Drittens – Mit Google Adwords dürfen Abo-Projekte nur mit vielen Auflagen/Themeneinschränkungen beworben werden (siehe Adwords Werberichtlinien), nach meinen langjährigen Erfahrungen dürfte ein Tagesbudget von ca. 150,- € und die dadurch erreichten ca. 400 Besucher im Schnitt 4-5 Abonnenten bringen – das sind umgerechnet 30,- € pro Abonnent von denen ca. die Hälfte in der Testphase wieder abspringt, also muss man eher wohl um die 50,- € rechnen – was einer Investition von mindestens 15.000 € in adwords entspricht. Das sind nur ungefähre Werte, es kommt natürlich vor allem darauf an was das Thema der Abo-Seite an sich hergibt und wie hoch das Interesse allgemein ist und ob die richtigen Buyer-Keywords schnell gefunden werden (und alles so optimiert wird, dass diese auch erschwinglich sind). Also nichts für Einsteiger ohne entsprechendes Kapital. Für all jene, die zu Anfang mit wenig Geld auskommen müssen bedeutet das, dass die Besucher entweder durch in gutes Ranking in google erreicht werden müssen – was für brandneue Domains bei interessanten Keywords in der Regel recht schwierig bis nahezu unmöglich ist – oder durch den Aufbau einer themenrelevanten, aktuellen Mailingliste. Dies alles erfordert viel Know-How und einen langen Atem – ist also ganz sicher nichts für Neulinge und IM-Einsteiger!

Das sind nur drei Punkte die mir dazu sofort dazu einfallen und auf die Herr Pott in seinem Seminar sicherlich genauso wenig eingehen wird wie bei seinem Deltasprung-Gequatsche. Schlimm finde ich an der ganzen Sache, dass hier den unbedarften Kunden Dinge verkauft und vorgekaukelt werden, die so in dieser Form gar nicht umzusetzen sind. Was so alles möglich wäre kann jeder erzählen – inwiefern das übertragbar, tatsächlich anwendbar und realistisch nachzuahmen ist – diese Frage bleibt offen. Herr Pott arbeitet selbst mit klassischen IM-Methoden und war eben als einer der ersten in dem Gebiet am Ball, seine Kunden dürfte er über eine hochkarätige Meilingliste generieren, die sschätzungsweise über einen Zeitraum von 6-8 Jahren aufgebaut wurde – und das ist genau der Punkt, den man zuerst anstreben sollte – eine themenrelevante Liste aufbauen und darüber eine hohe Kundenbindung erreichen. Ein Aboprojekt ist aufgrund seines Umfangs dann wohl eher etwas für bereits etablierte Marketer, die sich einen Mitarbeiterstab für die Kundenbetreueung, die Inhalte, die technische Umsetzung (eine Membership-Seite ist nicht so einfach zu konzipieren), das Suchmaschinenmarketing etc. leisten können.

Soviel zu erfolg.com oder founder.de – mein Abo habe ich dort natürlich längst gekündigt… Aber es kann sich jeder sein Urteil gern selbst bilden. Wenn der Dr. Pott zu den angesehensten der deutschen IM-Szene gehört, auf welchem Niveau bewegt sich dann eigentlich der Rest? Dios mio!